Im vergangenen Jahr fiel uns bei einem Waldspaziergang mit der Klasse ein Vogelkind vor die Füße. Wir konnten es gerade noch vor der Katze retten. Und da saß es nun, das kleine Bündel Leben und sperrte weit seinen Schnabel auf. Aber wer war uns da vor die Füße gefallen? Klar, es war ein Jungvogel. Der Schnabel war beeindruckend. Doch das Kerlchen befand sich gerade in der Mauser. Sah sehr puschelig aus und seine Färbung war für mich als ornithologische Analphabetin undefinierbar. Mein Vogelwissen beschränkt sich auf wenige Klassiker unter den Gefederten. Dieser gehörte nicht dazu. Wie nun weiter?
Nicht nur das Vögelchen, sondern auch die Kinder der Klasse brauchten natürlich eine Perspektive.
Also gab ich das versprechen, mit dem Tierchen in den örtlichen Minizoo zu fahren. Leider konnte mir dort auch niemand sagen, wer uns da zugepurzelt war. Nein, nehmen konnten sie ihn natürlich auch nicht. Aber ich bekam eine Pipette und konnte den kleinen Kerl nun immer wieder etwas Wasser anbieten.
Töchterlein Klein und mir war der gefiederte Geselle dann schon sehr ans Herz gewachsen und so klemmte ich mich ans Telefon und nach einigen Gesprächen mit Naturschutzfachleuten und einer Vogelwarte wusste ich zwar immer noch nicht, zu welcher Familie das Kerlchen gehörte, aber ich hatte eine Adresse von einer alten Dame, die solche Tiere wieder aufzupäppeln versucht. Also noch mal eine halbe Stunde Auto gefahren. Dann brachte wir den Karton zu besagter Adresse. Bereits auf dem Weg dorthin wurden wir angesprochen und uns nochmals der richtige Weg gewiesen. Einmal geklingelt und die alte Dame stand schon an der Tür, schaute nur in den Karton und sprach das Vögelein an, als hätte sie bereits darauf gewartet.
Der Vogel war ein Kernbeißer. Er sah so puschelig aus wie
hier. Und ich hoffe, er konnte wachsen und gedeihen, ist in den Süden gezogen und nun zurückgekehrt, um selbst ein Nest zu bauen. (Vielleicht war es auch eine Vogeldame?)
Da ich hier zur Zeit morgens schon von einem vielstimmigen Vogelchor geweckt werde, habe ich beschlossen, meine Kenntnisse ein wenig zu erweitern. Deshalb habe ich mit das
Paket "Was fliegt und singt denn da?" geleistet. Wir hatten heute schon viel Freude damit. Das Buch ist praktisch und erstaunlich umfassend aufgebaut und trotzdem sehr handlich und leicht. In meinen Wanderrucksack für die Waldgänge mit der Klasse passt es jedenfalls problemlos. Es gibt eine überschaubare Einführung in die Vogelwelt Europas, eine kleine (aber ausreichende) Erklärung der Ordnungen und Familien der Vögel und Hinweise zur Benutzung des Bestimmungsteils. Die Klappen des Einbands erleichtern die Auffindung im Bestimmungsteil. Die Abbildungen sind klein, aber aussagekräftig (oft mit der Andeutung des Lebensraumes des Vogels als Hintergrund). Die kurzen Texte zu jedem Vogel enthalten den deutschen und den wissenschaftlichen Namen, die Größe, bei größeren Vögeln die Flügelspannweite, eine Verbreitungskarte, besondere Kennzeichen, die Stimme, Hinweise auf den Lebensraum und die Vorkommen. Bei Zugvögeln ist auch der Zeitraum angegeben, in denen sie normalerweise in unseren Breiten anzutreffen sind. Im hintersten Teil schließt sich noch ein Anhang mit einem Verzeichnis von Vogelstimmen an. Dieses ist folgendermaßen gegliedert: Rufe und Gesänge im Winter (Haus, Garten, Park, Wald); Gesänge und Rufe von März bis Mitte April ( Haus, Garten, Park, Wald); Gesänge von Mitte April bis Juni (Haus, Garten, Park, Wald); Vogelstimmen der Felder, Wiesen und offenen Landschaft; Vogelstimmen im Gebirge; Nächtliche Vogelstimmen im Sumpf, Schilf und am See und Stimmen nächtlich ziehender Vögel. Zu jeder aufgeschriebenenVogelstimme gibt es einen Verweis zum entsprechenden Vogel. Die beiden CD's haben eine gute Tonqualität. Auch hier sind die Stimmen wieder jahreszeitlich und nach Lebensräumen gegliedert.
Ich freue mich, über meinen neuen Bücher und CD -Schatz!
Die Nachtigall heute Abend beim Hundegang hätte ich aber auch gerade so erkannt. ;-)
Und einen Kernbeißer erkenne ich inzwischen wohl in jedem Alter am Schnabel wieder.