Dienstag, 25. April 2017

Das Aufsehenerregende kann nur passieren, 
wenn der Alltag funktioniert.
(Hansgünther Heyme, Theaterregisseur)

In dem Sinne starteten wir nun wieder in sechs Alltagswochen, die bereits jetzt voller Programm sind und ich hoffe darauf, dass sie im besten Sinne funktionieren werden, damit das Aufsehenerregende auch seinen Platz finden kann und Raum für liebgewordene Gewohnheiten, wie zum Beispiel das wöchentliche Saunieren, bleibt.
Der jüngere Sohn wird in die Schweiz reisen und auf einem Bauernhof in Cumbel sein Landwirtschaftspraktikum machen. Die große Schwester wird mit ihrer Klasse noch für das Theatertreffen der Jugend proben, denn sie sind eines von acht Preisträgerensembles, die von der Jury aus 114 eingereichten Arbeiten ausgewählt wurden. Ich muss die Abschlussarbeit für meine Ausbildung fertig machen. Mein Mann wird wegen seiner Ausbildung nach Jena reisen. Wir werden zusammen zwei spannende Seminare in Kassel und Köln besuchen,.. Das Aufsehenerregende ist also schon mit eingeplant. Jetzt müssen wir uns nur wieder mit dem Weckerklingen um 5.10 Uhr anfreunden. 
Und, ein bisschen freue ich mich schon auf das Seele baumeln lassen in den Pfingstferien und graule mich vor dem Zeugnisschreiben. 


Liebe Grüße
Nula


Montag, 24. April 2017

Hochglanz, Perfektion und die geschönte Wahrheit


oder warum es gut ist, dass nicht immer alles gelingt
und wie gut es wäre, wenn das öfter gezeigt würde.


Es ist wohl sehr menschlich, dass es einen Hang zum großen Gelingen gibt. auch wenn wir wohl alle wissen und bereits als Kind vermittelt bekommen haben, dass der Mensch aus Fehlern lernt. Das Tolle, das Gelungene, das Vorzeigbare wird gezeigt, erhält Würdigung und Beifall. (Oder aber, eine mir fremde Geste, am Misslingen wird sich ergötzt. So erhält manch ein Pleiten, Pech und Pannen Video so viel Aufmerksamkeit, dass ich merkwürdig berührt bin.)

Um so wohltuender für mich, in so manchem Blog von den kleinen Alltäglichekeiten zu lesen, die oft gelingen, aber manchmal eben auch nicht, vom Ringen, von den Fragen an die Welt oder auch von manchem DIY-Projekt, das daneben ging oder erst im gefühlten 783. Anlauf gelang bzw. von den Zwischenschritten, Kniffen, Improvistionen, die es brauchte bis etwas vorzeigbar im Sinnde des großen Gelingens wurde. Und wie hilfreich wäre es, wenn für die Nacharbeiterinnen, -bäckerinnen, -köchinnen, -bastlerinnen, die Fallstricke und Fußangeln manch einer Sache am Anfang sichtbar wären.

Das jüngste Töchterlein lässt sich noch sehr von der Hochglanzwelt mancher Blogger und Youtuber beeindrucken. Da sind natürlich Krisen vorprogrammiert, wenn die eigenen Projekte nicht sofort gelingen. Als Achtklassarbeit, ein großes Prokjekt in der Waldorfschule, hat sie sich vorgenommen, ein Koch- und Backbuch anzufertigen, dafür viel zu kochen und zu backen und natürlich auch zu fotografieren. Nun wird natürlich viel ausprobiert. So wollte sie uns am Ostermontag mit einer Buttercreme-Fondant-Torte überraschen. Nachdem der Mandelbisquitboden in der Mitte höher als am Rand war, war sie das erste Mal enttäuscht. (Ich habe es noch nie!!! geschafft, einen Tortenboden zu backen, der ganz gleichmäßig hoch war und so konnte ich ihrer Verzeiflung mit dem Rat, den Tortenboden entsprechend zu beschneiden, Einhalt gebieten.) Sie aber kannte dies aus entsprechenden Backvideos. Dann riss ihr Tortenbodenschneider. Was für lustige Gerätschaften sie sich angeschafft hat!  (Ich habe früher einfach einen Bindfaden benutzt.) Dann entdeckte sie, dass ihr die rohen Eigelb an der Buttercreme suspekt waren. (Mir auch.) Nur, alle anderen Buttercremerezepte setzten Puddingpulver voraus. Das war hier nur noch in der Variante Karamell vorhanden. (Wie gut, dass unsere Schwiegertochter ihr von ihren Erfahrungen mit Pudding aus Mehl gekocht berichten konnte.) Nun hätte natürlich der Rest perfekt laufen können, wenn es da nicht den Fondant gegeben hätte, der trotz feiner Mehlschicht nach dem Ausrollen gnadenlos an der Tischplatte kleben blieb. (Wie gut, dass es einen Papa gibt, der das wütende und verzeifelte Töchterlein dann in den Arm nimmt, den Fondant wieder abspachtelt und Mut macht, es noch einmal zu versuchen. Und eine Mama, die schnell noch ein Backpapier vor dem nächsten Ausrollen unterschiebt.) Und wie gut, wenn man dabei ein bisschen an der Perfektionismusvorstellung der Tochter rütteln kann.

Die Torte war jedenfalls herrlich ungesund süß und entsprechend lecker, man sah ihr das Drama ihrer Entstehung nicht mehr an, Das hielt sie gut unter der dann in Dreier-Teamwork doch noch gelungenen Fondantschicht verborgen. Ich hätte jetzt hier auch nur schreiben und zeigen können, was für eine herrliche Torte das jüngste Töchterlein gebacken hat. Hat sie auch:


Aber vielleicht helfen meine Worte ja weiter, wenn jemand von euch am liebsten den Kuchenteig an die Wand werfen möchte und sich nur wegen den dann notwendigen Malerarbeiten zurückhalten kann oder wenn jemand kurz davor ist, den Wollfaden durchzubeißen, an dem sie gerade strickt.

Liebe Grüße
Nula

Freitag, 21. April 2017

Taschengeld - Paragraph

oder von der Odyssee ein Mikrofon zu kaufen.


Bisher hatte der herzallerliebste kleine Bruder, ja - so nennt die große Schwester ihn wirklich manchmal - , nur Fahrradfilme gedreht. Dafür brauchte er nicht unbedingt ein externes Mikro. Nun stand im März ein öffentlicher Auftritt der großen Schwester in einem Club an und die Idee, diesen zu filmen, im Raum. (Aus dem kleinen Punkmädchen ist eine junge Dame geworden.) Aber ein Musikauftritt ohne Mikrofon bzw. nur mit dem kamerainternen Mikrofon zu filmen , hm - keine gute Idee. Das sah ich jedenfalls so und deshalb machte ich den Vorschlag, wir könnten doch eines kaufen. Es wird ja sicher nicht der letzte Film sein, der da vom herzallerliebsten kleinen Bruder gefilmt wird. Ich erhielt dann vom filmenden Kinde einen langen Vortrag, dass man sich ein Mikrofon auch von einem guten Freund ausleihen könne. Schließlich gibt es ja noch andere Kostbarkeiten auf der Wunschliste! Fand ich einleuchtend, schließlich wächst das Geld ja nicht auf Bäumen.

Der Tag vor dem Auftritt kam und es wurde klar, nicht jede Zusage wird Realität. Auch eine Erfahrung für die Heranwachsenden. Ohne Mikro aber keine Tonaufnahme. Mein Vorschlag war dann, dass wir doch noch ein Mikrofon kaufen könnten. Jetzt natürlich schnell noch im örtlichen Handel und nicht mehr per Internet, da selbst mit Premiumservice das Teil nicht mehr pünktlich käme. Der Sohn könne es aber in dem großen Ich bin doch nicht blöd Laden nach der Schule selbst kaufen, weil ich dort nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinkäme und der Vater nicht vor Ort war. So weit der Plan. Am Nachmittag klingelte dann das Telefon und mein bald 16jähriger Sohn teilte mir mit, dass er das 180 Euro teure Mikrofon aufgrund des Taschengeldparagraphen nicht verkauft bekommt.

Der Taschengeldparagraph, von dem ich zuvor noch nie etwas gehört hatte, liest sich im BGB so:

§ 110
Bewirken der Leistung mit eigenen Mitteln

Ein von dem Minderjährigen ohne Zustimmung des gesetzlichen Vertreters geschlossener Vertrag gilt als von Anfang an wirksam, wenn der Minderjährige die vertragsmäßige Leistung mit Mitteln bewirkt, die ihm zu diesem Zweck oder zu freier Verfügung von dem Vertreter oder mit dessen Zustimmung von einem Dritten überlassen worden sind.

§ 111
Einseitige Rechtsgeschäfte

Ein einseitiges Rechtsgeschäft, das der Minderjährige ohne die erforderliche Einwilligung des gesetzlichen Vertreters vornimmt, ist unwirksam. Nimmt der Minderjährige mit dieser Einwilligung ein solches Rechtsgeschäft einem anderen gegenüber vor, so ist das Rechtsgeschäft unwirksam, wenn der Minderjährige die Einwilligung nicht in schriftlicher Form vorlegt und der andere das Rechtsgeschäft aus diesem Grunde unverzüglich zurückweist. Die Zurückweisung ist ausgeschlossen, wenn der Vertreter den anderen von der Einwilligung in Kenntnis gesetzt hatte.
Damit war klar, § 110 war grundsätzlich erfüllt, aber Söhnlein konnte das nicht nachweisen, denn er hatte keine entsprechende schriftliche Erklärung dabei.. Also telefonierte ich mit einem Marktmenschen, schilderte die Situation und der meinte, das müsse sich doch unproblematisch lösen lassen, er verbinde mich jetzt zum Infostand. Die Dame dort aber verlangte eine Ausweiskopie und eine unterschriebene Erklärung meinerseits, damit Söhnlein den Kauf tätigen könne. Inzwischen tickte aber die Zeit bis zum Auftritt gnadenlos und das Ganze schien ausssichtslos. Noch einmal telefoniert, noch einmal die Not geschildert und die Unmöglichkeit jetzt noch schnell in den Markt zu kommen und dann durfte ich das ganze mailen und Söhnlein konnte endlich das Mikrofon kaufen und seine Schwester mit Ton filmen. Das erste Musikvideo vom Konzertmittschnitt ist inzwischen fertig


und ein weiteres Musikvideo haben die beiden auch gedreht, bei dem das mühevoll erkämpfte Mikro zum Einsatz kam



Und ich habe dazugelernt: Nach einer Studie von 2016 stehen Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren monatlich 180 Euro zur Verfügung. Was davon Taschengeld ist und was davon selbst verdientes Geld ist, geht aus der Studie nicht hervor.
Für unsere eigenen Kinder war/ist das Geldausgeben immer mit dafür arbeiten und sparen verbunden. So hat sich die Große ihre Afrikareise mit einem Nebenjob beim Bäcker selbst verdient. Das Taschengeld war/ist bei vier Geschwistern und einem kleinen Haushaltsbudget immer überschaubar. Aber, es gibt in Deutschland sogar eine Taschengeldtabelle mit jugendamtlichen Taschengeldempfehlungen, jedoch kein Anrecht auf Taschengeld.

Und: um sich die wirklich tollen Dinge im Leben kaufen zu können, muss man volljährig sein oder mit seinen Eltern in den Laden kommen. Ist doch schön, dann brauchen uns die beiden "Kleinen" noch ein bisschen. - Nicht nur dafür, zum Glück!

Liebe Grüße
Nula