Freitag, 29. Januar 2010

Geschenke

Hochzeitstag - mitten in der Woche 21 Jahre miteinander verbunden sein. 21 Jahre voller Entwicklung, mit Höhen und Tiefen. Drei mal sieben Jahre. Die Siebenzahl als Zahl der Wandlung und das gleich drei mal.
Fast schien es so, als würde der Tag so ganz ohne Highlight verstreichen. Wir hatten so gar nicht dafür gesorgt, dass der Tag eine Überraschung bereithält. Aber, dann hielt das Leben selbst überraschende Geschenke bereit. - Zum Glück habe ich sie nicht übersehen vor lauter Unmut über meine eigene Unkreativität.

Gerade als der Mißmut über mich selber mir langsam, aber sich den Rücken hinab kroch, rief das älteste Töchtlerlein seine beiden jüngeren Geschwister ins Kinderzimmer. Dann hörte man auf der  Geige die Bauernkantate von Bach erklingen und nach einer kurzen Probe erschienen die drei im Esszimmer und brachten uns ein Ständchen. Zur Musik hatte sie folgenden  Text gedichtet:


Mama und Papa sind jetzt 21 Jahre zusammen!
Es ist 21 Jahre her als sie das erste Kind bekamen.
Das Kind ist jetzt schon alt
und wird auch Papa sehr, sehr bald.
Der Papa macht schon Cappuccino
und ich spiel' Violino,
denn wir feiern jetzt ein Fest
und Kuchen bleibt nun auch kein Rest!

Da löste sich der Knoten aus überhöhten Erwartungen an mich, an meinem Mann und ich musste einfach gleichzeitg lachen und weinen. Nach dem wir uns dann entschieden hatten, wenigstens Kuchen zum Tee und Cappuccino zu holen, war ich bereits mehr als versöhnt mit diesem besonderen Tag. So einfach sind die kleinen Freuden manchmal.
Und so schwer fällt es mir immer noch, in mich hineinzulauschen und meine Bedürfnisse wahrzunehmen.

Doch der Abend klang sehr besonders aus. Ein kurzer Anruf und die Mitteilung über ein besonderes Konzert am Abend. Aber wir hatten doch keinen Kinderhüter! Allein gehen am Hochzeitstag passte mir nicht. Nach einer kurzen Beratung erklärte die Älteste, wenn alle im Bett wären, könnten wir doch ausnahmsweise zusammen fahren.

So hörten wir Lieder von Mordechaj Gebirtig, einem Künstler aus Krakau, der das Leben im Shtettl in vielen jiddischen Liedern beschrieben hat. Eine faszinierende und erschütternde Reise in eine untergegangene Kultur.







Zwischenstation einer am 27.1.1989 begonnenen gemeinsamen Lebensreise.
Ich bin gespannt, wie es weiter geht -
jetzt, wo unsere Ehe nach altem Schauen VOLLJÄHRIG  ist.................

Kommentare:

  1. Liebe Nula,
    das hört sich aber wirklich nach einem
    ganz besonders schönen Tag/Abend an.:-)
    Ganz herzliche Glückwünsche
    und viele schöne weitere Jahre Euch beiden!

    Grüßle
    Steff

    AntwortenLöschen
  2. Ohhhhh Nulchen, das hab ich verpasst !
    Ich wünsche Euch alles Glück der Welt !
    21 Jahre - WAHNSINN !
    (Ich war schon auf unsere 12 stolz !!! *schäm* ;-)

    Ich hoffe, dass es Dir etwas besser geht.


    Soooooooooo viele liebe Grüße
    Judith

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Nula,
    Du hörst gern jiddische Lieder? Kennst Du die CDs von Karsten Troyke "Jiddisch anders" und "Vergessene Jiddische Lieder"?
    Michaela

    AntwortenLöschen