Donnerstag, 24. Mai 2012

Leben auf der Überholspur

oder die Kunst  NEIN zu sagen

In dieser Woche durfte ich wieder viel über mich erfahren. Ich hätte aber auch gern darauf verzichtet.
Bei meinem Wochenvorblick sah es so aus als würden sich Kraftzehrendes und Kraftspendendes die Waage halten. Jeder einzelne Punkt für sich, der dann dazu kam, hätte diese feine Balance wohl noch nicht aus dem Gleichgewicht gebracht. Aber die Summe reichte dann mehr als aus, um heute Morgen zu merken, wenn ich nicht jetzt noch schnell die Notbremse ziehe, brauche ich morgen nicht mehr zu meiner Weiterbildung zu fahren, weil ich dann einfach mit den eigenen Kräften so am Rand bin, dass es nicht mehr gesund ist. Leidvoll habe ich in den letzten Jahren dazu gelernt, dass es diese Notbremse braucht und dass sie gerechtfertigt ist. 

Werde ich es auch noch lernen, so achtsam zu sein, dass ich rechtzeitig im Voraus Nein sage?
Jeder Punkt war wichtig und einzeln für sich betrachtet, berechtigt, meine Lebenskraft und Zeit  dafür zu investieren. Wie gewichtet man gut und richtig? Wie hält man aus zu wissen, dass man wohl eigentlich derjenige ist, der etwas tun müsste, aber es mehr als unhygienisch für die eigenen Gesundheitskräfte ist, dies doch zu tun?

So, nun packe ich noch schnell meinen Koffer, drucke die Fahrkarte aus und dann noch eine lange Konferenz, ...

Freitag, 18. Mai 2012

Dreiundzwanzig

Heute vor 23 Jahre kam unser ältester Sohn zu Welt. Merkwürdig, wie schnell die Zeit vergeht. Wo sind die Jahre hin? War ich nicht eben noch selbst 23?  Fühl ich mich nicht manchmal immer noch immer wie 23?

Vor 23 Jahren, damals als im Osten Deutschland ein Telefon noch keine Selbstverständlichkeit war, war eine geplatzte Fruchtblase und ganz allein in der Wohnung sein noch ein rechtes Abenteuer. Aber zum Glück war in der Nachbarwohnung die Oma zu Besuch. Sie machte sich auf den Weg zur Kaserne, denn dort war sicher ein Telefon... Krankenwagenfahrt über eine inoffizielle holterdipolter Autobahnauffahrt, allein im Krankenhaus, Angst vor Ärzten... - Irgendwann waren die Wehen ganz weg, aber mein Mann zum Glück da. Er war dann auch der Erste, der das Söhnlein Brilliant in Empfang nahm, denn ich musste nach dem Not-Kaiserschnitt erst einmal wieder Mensch werden.

Ältester Bruder mit jüngster Schwester


Nun ist der Große 23 Jahre alt. Für seine jüngeren Geschwister ist er der Größte. Und es ist jedesmal ein Fest für sie, wenn er uns besuchen kommt.


Morgen wird er sehnsüchtig erwartet, er und seine kleine Tochter. Denn mit so einem großen Bruder ist unser munterer Rest nicht nur Bruder und Schwester, sondern inzwischen auch Onkel und Tante.

Samstag, 12. Mai 2012


"Möglicherweise ist ein Begräbnis unter Menschen
ein Hochzeitsfest unter Engeln."
(Khalil Gibran)






Wie selbstverständlich erscheint mir doch meist im alltäglichen Sein das Gewordene. Wie selbstverständlich gesunde, muntere Kinder - ja so gar bereits ein Enkelkind - zu haben, in einer achtsamen Beziehung zu leben, meist selbst doch trotz chronischer Krankheit fast nicht eingeschränkt zu sein.
In der letzten Woche gab es einen Aufwach-Moment. Einen Moment, in dem die Welt stillstand - alles andere unwichtig und unbedeutsam wurde. Der kleine Bruder einer Freundin unserer jüngsten Tochter hat nach nicht einmal 6 Monaten in dieser Welt seine Himmelsreise angetreten.  Ich bin in Gedanken ganz stark bei den Eltern, bin ihnen für ihre Offenheit und Stärke so dankbar; dankbar dass auch wir uns verabschieden durften, dankbar, dass wir ein Stück das schweren Weges begleiten konnten, dankbar, dass dieser kleine Mensch unsere Jüngste so beglückt hat mit seinem auf der Welt sein, an dem sie seit seiner Geburt so viel Anteil nahm, weil sie doch auch so gern große Schwester eines kleinen Brüderchens sein würde. Dankbar, dass wir alle erleben durften, welch großer Frieden mit diesem unsagbaren Schmerz verbunden ist.

*** 

Lieber L.,
du hast trotz der kurzen Zeit, die du auf der Erde warst, einige Menschenherzen bewegt und Menschen zusammengeführt und miteinander verbunden. Schweren Herzens und voller Trauer nehmen wir Abschied und wissen doch, es ist alles richtig wie es ist.



***


 Sobald wir alle unsere Arbeiten auf dieser Erde erledigt haben, 
ist es uns erlaubt unseren Leib abzuwerfen,
welcher unsere Seele, wie ein Kokon den Schmetterling, gefangen hält. 
Wenn die Zeit reif ist, können wir unseren Körper gehen lassen,
 und wir werden frei sein von Schmerzen, 
frei von Ängsten und Sorgen,
frei wie ein wunderschöner Schmetterling, 
der heimkehrt zu Gott.
(Elisabeth Kübler-Ross)

Freitag, 11. Mai 2012

This moment (3)

Inspired by soulemama
{this moment} - A Friday ritual. A single photo - no words - capturing a moment from the week. A simple, special, extraordinary moment. A moment I want to pause, savor and remember. 



Dienstag, 8. Mai 2012

Märchen-Suche

Ich bin auf der Suche nach ganz unterschiedlichen Märchen:

- in denen Mädchen / Frauen die Heldinnen sind oder
- die nicht mit dem "und dann heirateten sie und lebten glücklich..." Schluss enden oder
- in denen Geschwister vorkommen


Wer eine Idee/Anregung für mich hat,
bitte einfach einen Kommentar hinterlassen.
Irgendwie läuft mir gerade nicht das Rechte zu.



Märchenhafte Landschaft in den Pyrenäen, Sommer 2010


Herzlichen Dank
Nula

Freitag, 4. Mai 2012

this moment (2)

Inspired by soulemama
{this moment} - A Friday ritual. A single photo - no words - capturing a moment from the week. A simple, special, extraordinary moment. A moment I want to pause, savor and remember. 








Dienstag, 1. Mai 2012

Freunde fürs Leben

Manchmal erlebt man ja das Glück, eine Freund fürs Leben zu finden. Auch ein Musikinstrument kann  ein Freund fürs Leben sein. So war es uns wichtig, dass jedes unserer Kinder neben dem (zuerst pentatonischen) Flöten in der Schule, ein Instrument lernt. 

Söhnlein Brilliant (unser Ältester) zog es zur Klarinette. Als wir noch auf der Suche und am Probieren der verschiedenen Instrumente waren, bekam er bereits beim ersten Versuch die ersten Töne entlockt. Früh schon hatte er ein Faible für jiddische Musik und Klezmer. So war der Besuch eines Giora Feidman Konzertes im zarten Alter von 10 Jahren für ihn ein großes Fest. Musikunterricht steht und fällt aber mit dem Lehrer/der Lehrerin. Und leider hörte seine erste Lehrerin, die ihn sehr für das Spielen und Üben begeistern konnte, auf. Die Liste der folgenden Lehrer an der Musikschule ist lang, doch die Spielfreude wurde immer kleiner. So mutierte seine Klarinette zur meist geputzten Klarinette Deutschlands. (Aufbauen, Blättchen anfeuchten, Blättchen anfeuchten, Blättchen anfeuchten, Blättchen befestigen, Blättchen noch einmal auf den richtigen Sitz überprüfen, Blättchen zum zweiten Mal befestigen, zwei - drei Minuten Spielen, Blättchen noch einmal anfeuchten und befestigen, eine Minute spielen und dann .... mindestens zwanzig Minuten putzen.)  In der Pubertät dann bekam er Papas Gitarre, die dieser sich von seinem allerersten Lohn gekauft hatte, geschenkt und suchte er sich selbst einen Gitarrenlehrer, der ihm einige Akkorde beibrachte.

Töchterlein eins verliebte sich mit drei in eine Geige, die die Orchesterleiterin beim Mittelstufenorchester des großen Bruders spielte. "So eine möchte ich auch spielen können." Deshalb lernte sie ab der ersten Klasse Geige. Nun ja, nach vier Jahren Unterricht und der Meisterschaft in Bachs Bauernkantate, die sie heute noch aus dem Tiefschlaf aufgeweckt, sofort ohne Noten auf der Geige ihrer kleinen Schwester spielen könnte, spielt sie nun auch Gitarre und träumt davon eine Band zu gründen.

Der nächste in unserem Quartett hat mit dem Schlagzeug spielen begonnen.  Noch denkt er nicht über einen Wechsel nach. (Wie beruhigend.)

Und die Kleinste (wird 9) spielt nun zwei Jahre Geige, inzwischen in einem kleinen Orchester. Aber sie hat nun den festen Plan, das Instrument zu wechseln. Sie weiß, sie will Kontrabass lernen. Auf der Suche nach Musik, in der der Kontrabass die Hauptrolle spielt, bin ich über ein Cello-Video gestolpert,
das von "Freunden fürs Leben" erzählt und wie glücklich man ist, wenn man solch einen Freund hat.






Ich weiß, das die Kunst einem helfen kann, die stürmische Zeit der Pubertät zu überstehen. Bei mir selbst war es die Lyrik, bei unserem Großen war es das Gitarre spielen und vor allem das Malen und Bildhauen, nun sind wir mit der Nächsten mitten drin. Ihr Allheilmittel ist gerade Punkrock...