Mittwoch, 17. April 2013

zick, trrrrr, zrie, zck, dr-rüp,...

Im vergangenen Jahr fiel uns bei einem Waldspaziergang mit der Klasse ein Vogelkind vor die Füße. Wir konnten es gerade noch vor der Katze retten. Und da saß es nun, das kleine Bündel Leben und sperrte weit seinen Schnabel auf. Aber wer war uns da vor die Füße gefallen? Klar, es war ein Jungvogel. Der Schnabel war beeindruckend. Doch das Kerlchen befand sich gerade in der Mauser. Sah sehr puschelig aus und seine Färbung war für mich als ornithologische Analphabetin undefinierbar. Mein Vogelwissen beschränkt sich auf wenige Klassiker unter den Gefederten. Dieser gehörte nicht dazu. Wie nun weiter?

Nicht nur das Vögelchen, sondern auch die Kinder der Klasse brauchten natürlich eine Perspektive.
Also gab ich das versprechen, mit dem Tierchen in den örtlichen Minizoo zu fahren. Leider konnte mir dort auch niemand sagen, wer uns da zugepurzelt war. Nein, nehmen konnten sie ihn natürlich auch nicht. Aber ich bekam eine Pipette und konnte den kleinen Kerl nun immer wieder etwas Wasser anbieten.

Töchterlein Klein und mir war der gefiederte Geselle dann schon sehr ans Herz gewachsen und so klemmte ich mich ans Telefon und nach einigen Gesprächen mit Naturschutzfachleuten und einer Vogelwarte wusste ich zwar immer noch nicht, zu welcher Familie das Kerlchen gehörte, aber ich hatte eine Adresse von einer alten Dame, die solche Tiere wieder aufzupäppeln versucht. Also noch mal eine halbe Stunde Auto gefahren. Dann brachte wir den Karton zu besagter Adresse. Bereits auf dem Weg dorthin wurden wir angesprochen und uns nochmals der richtige Weg gewiesen. Einmal geklingelt und die alte Dame stand schon an der Tür, schaute nur in den Karton und sprach das Vögelein an, als hätte sie bereits darauf gewartet.

Der Vogel war ein Kernbeißer. Er sah so puschelig aus wie hier. Und ich hoffe, er konnte wachsen und gedeihen, ist in den Süden gezogen und nun zurückgekehrt, um selbst ein Nest zu bauen. (Vielleicht war es auch eine Vogeldame?)

Da ich hier zur Zeit morgens schon von einem vielstimmigen Vogelchor geweckt werde, habe ich beschlossen, meine Kenntnisse ein wenig zu erweitern. Deshalb habe ich mit das Paket "Was fliegt und singt denn da?" geleistet. Wir hatten heute schon viel Freude damit. Das Buch ist praktisch und erstaunlich umfassend aufgebaut und trotzdem sehr handlich und leicht. In meinen Wanderrucksack für die Waldgänge mit der Klasse passt es jedenfalls problemlos. Es gibt eine überschaubare Einführung in die Vogelwelt Europas, eine kleine (aber ausreichende) Erklärung der Ordnungen und Familien der Vögel und Hinweise zur Benutzung des Bestimmungsteils. Die Klappen des Einbands erleichtern die Auffindung im Bestimmungsteil. Die Abbildungen sind klein, aber aussagekräftig (oft mit der Andeutung des Lebensraumes des Vogels als Hintergrund). Die kurzen Texte zu jedem Vogel  enthalten den deutschen und den wissenschaftlichen Namen, die Größe, bei größeren Vögeln die Flügelspannweite, eine Verbreitungskarte, besondere Kennzeichen, die Stimme, Hinweise auf den Lebensraum und die Vorkommen. Bei Zugvögeln ist auch der Zeitraum angegeben, in denen sie normalerweise in unseren Breiten anzutreffen sind. Im hintersten Teil schließt sich noch ein Anhang mit einem Verzeichnis von Vogelstimmen an. Dieses ist folgendermaßen gegliedert: Rufe und Gesänge im Winter (Haus, Garten, Park, Wald); Gesänge und Rufe von März bis Mitte April ( Haus, Garten, Park, Wald); Gesänge von Mitte April bis Juni (Haus, Garten, Park, Wald); Vogelstimmen der Felder, Wiesen und offenen Landschaft; Vogelstimmen im Gebirge; Nächtliche Vogelstimmen im Sumpf, Schilf und am See und Stimmen nächtlich ziehender Vögel. Zu jeder aufgeschriebenenVogelstimme gibt es einen Verweis zum entsprechenden Vogel. Die beiden CD's haben eine gute Tonqualität. Auch hier sind die Stimmen wieder jahreszeitlich und nach Lebensräumen gegliedert.

Ich freue mich, über meinen neuen Bücher und CD -Schatz!
Die Nachtigall heute Abend beim Hundegang hätte ich aber auch gerade so erkannt. ;-)
Und einen Kernbeißer erkenne ich inzwischen wohl in jedem Alter am Schnabel wieder.


Kommentare:

  1. Liebe Nula,
    ich habe zusammen mit meinem Papa in seinem Schrebergarten mal 5 kleine Vögel aufgepäppelt ;o).Sie waren samt Nest (warum auch immer) vom Baum mir genau vor die Füße gefallen.Ich habe sie dann zu meinem Papa gebracht und damit fingen Nachtschichten, Insekten jagen,Mehlwürmer aus der Zoohandlung holen und,und an ;o).§ von den 5 Knirpsen haben es damals geschafft und sie sind auch immer wieder in dem Garten meines Papa´s aufgetaucht, wir kannten sie ;o).Schön, dass du dir so einen tollen Schatz gegönnt hast ;o)!Ganz viele, liebe Grüße,Petra

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  2. Liebe Nula, ich bewundere Menschen, die die Vögel am Gesang erkennen können, meine Kigaleitung im Anerkennungsjahr war so ein Mensch. Bald bist du es auch!!! es ist herrlich, wie lange haben wir diesen Gesang vermisst! Der Kreuzschnabel hat mich schon als Kind fasziniert, wegen seines aussergewöhnlichen Schnabels. Viel Freude mit deinem neuen "Studium" - liebe Grüße, JULE

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    1. Ja, der ist schon sehr besonders, der Schnabel.

      Bis ich das kann, dauert es noch ein Weilchen.
      Aber das genaue Hinhören hat schon was sehr Wohltuendes.

      Liebe Grüße
      Nula

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  3. Wir hier auf dem tiefen Land haben ganz viel Vogelgesang aber wer was ist das weiß ich leider auch nicht.
    LG
    Nicole

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  4. Liebe Nula,

    ich finde es wichtig, dass jeder ein paar der einheimischen Vögel mit Namen kennt. Mein Vater ist Hobby-Ornithologe und hat früher viel mit Singvögeln beschäftigt. Vielleicht hätte er auch den Kernbeißer aus deinem kleinen Bericht erkannt. Jedoch ist dieser bei uns im Norden eher ein selten anzutreffender Gast.

    Auf jeden Fall beherrscht mein Vater einige Vogelgesänge. Den des Buchfinken erkenne ich auch. Und sogar die Lerche habe ich diesen Frühling schon über den (unbestellten) Feldern gehört. Davon mal ab, dass die Amseln in unserem Garten flöten, was das Zeug hält.

    Vielleicht lege ich mir das Buch mit der CD zu, vielen Dank für den Tipp.

    Viele Frühlingsgrüße

    Anke

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    1. Das ist schon toll, wenn man als Kind einen Vter / Mutter hat, die das können. Vielleicht bin ich ja weiter, wenn meine Enkel so weit sind. Ich lausche und lerne jedenfalls mit viel Staunen.

      Liebe Grüße
      Nula

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  5. Liebe Nula,
    mein Vater hat mal einen Mauersegler gerettet und in so eine Station gebracht. Später konnte er ihn nochmal besuchen und zusehen, wie er fliegen gelassen wurde.
    Wir haben auch mal ein kleines Vogelbaby gefunden. Aber das war leider wirklich viel zu klein und so ist es recht schnell gestorben.

    Ich liebe es ja auch, Vögel zu beobachten - und das Gezwitscher am frühen Morgen ist einfach herrlich. (Lohnt es sich direkt um 6 Uhr morgens einen Spaziergang zu machen :-) Wir haben auch so ein Bestimmungsbuch mit CD und die Kinder hören sich die gern an und schauen dabei durch das Buch, zu welchem Bild der jeweilige Gesang gehört. Naja, letztes Jahr haben sie das gemacht. Dieses Jahr noch nicht. ;-)

    liebe Grüße,
    Isla

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    1. Das ist jetzt auch so zu schön morgens!

      Liebe Grüße
      Nula

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  6. Ich habe heute eine Mönchsgrasmücke vom Parkplatz eingesammelt, bevor die Katzen das tun.
    Sie ist mittlerweile weggeflogen, hoffe, es geht ihr gut.
    VG
    Elke

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    1. Ich drücke ihr mit die Daumen.
      So eine Mönchsgrasmücke sieht ja wunderschön aus.

      Liebe Grüße
      Nula

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  7. Was für eine schöne Geschichte... Die bleibt den Kindern sicher bleibend in Erinnerung. So ein Vögleich von ganz nahe zu sehen... Ich sitze gerade auf der Terrasse, und über mir im Ahorn schmettert (m)eine Mönchsgrasmücke... Ich erkenne viele Gesänge, ohne dass ich sie dem richtigen Vögelchen zuordnen kann. Manchmal sehe ich sogar, wer singt, aber so im Gegenlicht hoch in den Baum hinauf... Vorletztes Jahr hatte ich Mengen von zerstoßenen Schneckenhäusern auf meinem Weg zur Treppe - eine Singdrossel. Eine Nachtigall höre ich oft abends, wenn ich mein Auto vom Parkplatz hole. Lauter kleine Wunder, diese Vöglein... - Lieben Gruß Ghislana

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