Donnerstag, 3. Oktober 2013

Zum heutigen Tag


Warum der 3. Oktober zum Tag der Deutschen Einheit wurde, wird mir wohl ewiglich ein Rätsel bleiben. Dass der Mauerfall und die Vereinigung der beiden deutschen Staaten mein Leben bedeutend prägten und sicher in andere Bahnen lenkten als wäre weiter alles seinen sozialistischen Gang gegangen, dies ist jedoch sicher.

1989 war unser Sohn gerade ein halbes Jahr alt, ich war mitten im (Fern-)Studium und lebte in einem Land, in dem ich vieles nicht gut fand. Aber manches eben schon. In einem Land, in dem mir nach einem Literaturwettbewerb der eine Verlag zurückschrieb, dass meine Gedichte westlich-dekadent seien, während ein anderer Verlag bedauerte, dass er seine Nachwuchsautorenreihe leider nicht fortsetzen könne, sonst hätten sie dort ein, zwei Gedichte veröffentlicht. Das war der Moment, als ich über die Möglichkeit des Kofferpackens nachdachte. Die Sehnsucht nach freier Meinungsäußerung sehr groß wurde. Es war Herbst, Oktober. Ich war 20 Jahre alt. Die Mauer noch nicht geöffnet. So gaben wir all unser Geld aus. Einmal einkaufen im Exquisit. Einmal nicht auf's Geld schauen, denn das war trotz der niedrigen Mieten durch entsprechende Löhne überschaubar. Die damals gekauften Koffer haben wir noch heute. :-) Die Spiegelreflexkamera hat uns begleitet bis das digitale Zeitalter sie überholte. Obwohl die Koffer gepackt, die Betten doppelt bezogen waren, sind wir nicht gestartet. Ich konnte nicht, wollte nicht, dieses Land im Umbruch verlassen. Ein Jahr später gab es das Land nicht mehr. Der Tag der deutschen Einheit wurde zum ersten Mal gefeiert.

Tochter Groß ist sehr an Geschichtsthemen interessiert. So sind ihre Berlinfahrten in letzter Zeit zu den Großeltern und der Patin immer auch Ausflüge in die jüngere Geschichte gewesen. Sie ist immer wieder irritiert, wie wenig ihre Klassenkameraden wissen. 

Passend zum Thema wollte sie gern "Good by Lenin" mit mir schauen, was wir in der vergangenen Woche dann gemacht haben. Ich persönlich liebe ja den Film "Kleinruppin forever", weil er irgendwie atmosphärisch rüberbringt, wie sich jung sein am Ende der DDR-Zeit anfühlte. Auf Gretel's Blog living4family entdeckte ich den Link zur ARD-Serie WEISSENSEE. Da wir keinen Fernseher haben, wäre ich wohl sonst nicht darüber gestolpert. Ich glaube, die DVD landet auf unserer Weihnachtswunschliste.


Kommentare:

  1. ich bin durch deine Zeilen und von deinen Gedanken unheimlich bewegt worden,

    egbert

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  2. Ich war damals auch 20 J. und hab alles im Fernseh mitverfolgt.Ich fand es sehr beeindruckend.
    LG
    Nicole

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  3. Genauso war´s. Aber zum Abhauen wär ich zu feige gewesen. Auch wenn man drüber nachgedacht hat, als wir 89 in Ungarn waren und die Leute massenhaft über die Grenze verschwunden sind. Auch eine meiner besten Freundinnen. Was war das aufregend. Oder die Wasserwerfer am Dresdner HBF.
    Meine Töchter interessieren sich inzwischen auch für diese Geschichte, nachdem sie jahrelang unkten "Du und Dein FRÜHER" :-)

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  4. Kennst Du die verschiedenen Filme von Edgar Reitz? Die würden auch gut dazu passen. Hast Du nochmal probiert, etwas zu veröffentlichen?

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  5. Meine Söhne schauen mich nur immer etwas sprachlos an und können diesen Teil der deutschen Geschichte noch gar nicht nachvollziehen...sie sind aber auch noch ein wenig jünger.
    Das ist aber wohl auch schwer - ich weiß, wie ich schaue, wenn meine Oma von der Währungsreform berichtet (beliebtes Zeitmaß - vor oder nach der Währungsreform) oder glaubhaft erzählt, wie sie Elvis in Bad Nauheim gesehen hat....dann kommt sie mir auch wie ein Dinosaurier vor :)
    Ganz liebe Grüße
    Julika

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  6. Es ist sicher nochmal ganz anders, wenn man die Wende am eigenen Leib erlebt hat. Ich stand damals grade in der Küche beim Frühstückmachen als die Nachricht im Radio kam. Erst konnte ich es nicht glauben, dann hat es mir auch die Tränen in die Augen getrieben. Endlich unsere Freunde ohne Grenzkontrollen zu besuchen, und sie konnten einfach so zu uns kommen, schöööön. LG Donna G.

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  7. Liebe Nula,
    ein schöner Post. Ich war damals 19 und seit einem Dreivierteljahr im Westen.
    Wir haben mittlerweile eine riesige Sammlung an Filmen und Dokumentationen zum Thema (schon dafür lohnt sich der Fernseher, bevorzugt Phönix) Mein Großer verschlingt das alles und ich möchte auch, dass er weiß, wie gut es ihm jetzt geht und wie seine Mutter aufgewachsen ist.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    (Weissensee lohnt sich wirklich)

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  8. Danke fürs Teilhaben lassen.
    du hast wunderschön geschrieben.
    Liebe Grüße Kirsten

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  9. Liebe Nula,
    herzlichen Dank, für diesen tollen post, das hast du klasse geschrieben !Einen schönen Abend und ganz viele, liebe Grüße,Petra

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  10. Liebe Nula,
    so schön geschrieben ! Ich kann mich noch gut an die Tage des Mauerfalls erinnern und wie die Tränen vor lauter Freude geflossen sind, das habe ich heute noch, wenn ich Berichte sehen ! Wir hatten einen Teil der Verwandtschaft "drüben" wohnen und nun konnten wir uns einfach so sehen, sonst sind wir schon mal hingefahren, aber sie konnten ja nie oder selten zu uns.....Meine Freundin kam damals über Ungarn aus Dessau nach Saarbrücken, ich kriege heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie sie mich anrief und sagte, dass sie im Westen sind ! Es war mit Sciherheit nicht alles schlecht im ehem. Osten, aber jeden störte die Meinungsfreiheit, damit hätte ich auch Probleme gehabt !
    Schön, dass Du an diesen Tag der Deutschen Einheit erinnerst und etwas darüber schreibst ! Danke !
    Liebe Grüße,
    Deine Birgit

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  11. Liebe Nula, spannend deine Einblicke! Danke schön! Für uns ist das alles etwas weit weg und so unrealistisch irgendwie. Schade, konnte man uns in der Geschichte das nicht so richtig rüberbringen. Wir haben immer nur die Vergangenheit gelernt und nie in die Gegenwart geblickt. Ich schau mir aber nun auch gerne Filme dazu an und Doku-Sendungen.
    Lieben Gruss
    Fabienne

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  12. Liebe Nula,
    da waren wir uns damals recht nah und kannten uns nicht. Ich war 23 Jahre alt, als ich im Januar 1990 rüber ging, ungeplant, eine Sekundenentscheidung, noch ausgeflogen, weil man zu der Zeit nicht über die DDR (von West-Berlin aus, wo ich zuerst war) mit der Bahn fahren durfte. Zwei Monate später war das schon anders. Ja, da kann man viel erzählen. Ein bisschen habe ich ja bei mir schon geschrieben.
    Ich fand es bei meinen Kindern auch interessant, dass sie sich so langsam für meine alte Heimat interessieren. Dadurch war der diesjährige Berlinbesuch für sie und für mich etwas besonderes.
    Unser Tag verlief in gemeinsamer Komposthaufen-Umsetzung. Eine nicht so gern gemachte Arbeit des Mannes. Um so froher war ich, als wir es machten. Eine Friedensgeste;-) mit frischer Komposterde. Damit weiter Gutes werde. Aus Ost und West;-)
    Liebe Grüße
    Roswitha

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  13. Liebe Nula,
    ich war im gleichen Alter und habe ähnliche Sachen erlebt.
    Menschen im Westen und die Jüngeren können es kaum noch nachvollziehen.
    So hat eben jede Generation ihre eigene Geschichte.
    Deine Tipps habe ich mir gleich mal gespeichert.
    Good by Lenin habe ich schon gesehen, die anderen Sachen noch nicht.
    Ganz viele liebe Sonntagsgrüße
    sendet dir Urte

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  14. Liebe Nula, Danke fürs aufschreiben.
    Vergessen werde ich diese Tage auch nie. Wir waren vorher nur 3 Mal bei Euch "drüben", es war unglaublich was da von uns alles verlangt wurde, damit wir "einreisen" durften. Aber es war es wert, wir konnten unsere Familie so selten sehen. Der Anlass war sowieso jedesmal eine Beerdigung ....
    Bei uns ging ein hin und her los, als endlich alles offen und frei war. Meine Grossen können sich noch erinnern, die Kleinen können die Geschichten fast nicht glauben.
    Ich bin als kleines Kind oft mit den Elten bei Hof an der Grenze gestanden, wir haben "rübergeschaut" und uns nach der Verwandschaft "drüben" gesehnt. Noch heute wenn ich auf der Autobahn fahre hab ich Herzklopfen wenn ich dran denke wie das vor noch gar nicht so langer Zeit dort war.
    Die beiden Brüder, die die Mauer auseinandergerissen hat durften beide die Grenzöffnung nicht mehr miterleben. Beide sind ein Jahr vorher gestorben, einer in der DDR, einer in der Oberpfalz. Beide waren nur ein bisschen über 60 Jahre alt. Das macht mich heute noch traurig.
    Es ist so wichtig, dass wir diese so nahe Geschichte weitertragen. Du, aus Deiner Sicht und ich aus meiner.
    Schön, dass wir dabeisein durften und dass es nun ein miteinander gibt! (auch wenn ich nicht weiss warum am 3.10. gefeiert wird)
    herzliche Grüsse
    Elisabeth

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  15. Ich kann mich gut an die heißen Freuden-, aber auch die Trauertränen erinnern, als ich die Nachricht vom Mauerfall bekam..., ich war 35. Ich glaube, jede/r hat seine ganz persönlichen Erlebnisse vorher und nachher... Alle zählen. Schön, dass du drüber schreibst. Ich könnte es noch nicht, jedenfalls nicht öffentlich. Lieben Gruß Ghislana

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  16. Liebe Nula, danke für deine Erinnerungen! Ich kriege immer eine Gänsehaut und oft feuchte Augen, wenn ich an den Mauerfall denke. Wir (im Westen) hatten Freunde im Osten. (es sind immernoch Freunde!) ich war manches mal erstaunt, wie wenig "Westler" ohne Ostkontakte über das Deutschland auf der andren Seite wussten und sich dafür interessierten. Heute finde ich es spannend, die unterschiedlichen Kindheits- und Jugenderinnerungen zu hören. Und auch die Parallelen festzustellen.
    liebe Grüße, schickt dir die JULE

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  17. Warum gefällt dir grad dieser Tag als Feiertag nicht? Als Österreicherin fehlt mir da vielleicht ein Puzzlesteinchen.

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    1. Ich nehme an, weil dieses Datum irgendwie nicht in die Reihe der wirklich geschichtsträchtigen Daten passt. Es gab mal anfangs eine Erklärung, weshalb der 3.10. gewählt wurde, obwohl die Mauer an einem ganz anderen Tag fiel, obwohl viele andere markante Eckpunkte dieses Prozesses an ganz anderen Tagen statt fanden.... aber ich hab sie vergessen. War wohl nicht so einleuchtend. Oder ich hab's einfach nicht verstanden.
      Einheitliche Grüße vom
      LandEi

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  18. ich las gerade . Erziehungskünstlerin . welch ein wunderbares Wort . es macht mich neugierig . was steckt dahinter . was steckt darin . bei dir .
    fragend . ich . dich . :)

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  19. Ich hab schon so lange nichts mehr von dir gehört und hoffe das es euch gut geht.
    LG
    Nicole

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  20. Liebe Nula,

    ist alles in Ordnung bei euch? Gib doch mal ein kleines Lebenszeichen, damit wir uns keine Gedanken machen müssen.

    Allerbeste Grüße

    Anke

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  21. Nula.... wo seid ihr??? Alles gut???
    Besorgte Grüße vom
    LandEi

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  22. Geht es Euch gut?
    herzliche Grüsse
    Elisabeth

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