Freitag, 23. Juni 2017

Geschenkt

Wie nett, wenn es klingelt und mit strahlenden Augen der kleine Sohn einer Freundin mit einem selbstgepflückten Gartensträußlein vor der Tür steht. Das Rosensträußlein mit Himbeere kam natürlich sofort in die Vase und dann auf's Sideboard in der Küche. Woraufhin die kleine Erdbeere ein Pläuschchen mit dem Lavendel begann.



Der Lavendel ist vom Markt und duftet so stark, dass Herr Hund zum Glück neben ihm keine Chance hat, entdeckt zu werden. Das ist auch gut so. Herr Hund ist ein Angstausdünster. Puh, ich kann euch sagen... Aber dennoch, er ist ja auch ein wichtiger Seelentröster und Streicheleinheiten-Empfänger und Schleckeinheiten-Verteiler. Da muss er das Leben mit uns wohl manchmal mit einer speziellen Duftwolke kompensieren.


Sehr filigran hebt sich das mir unbekannte Kraut im Strauß vor unserer Küchenwaage ab. Einst besaßen wir auch eine elektronische Waage. Als diese den Geist aufgab, fiel meinem Mann die alte Pilz-Waage seiner Oma wieder ein, die lange ein wenig beachtetes Dasein fristete. Eigentlich hatten wir sie auf dem Dachboden stehen, um sie immer mal in einer Rechenepoche mit in die Schule zu nehmen.



Mit so einer Tellerwaage kann man ganz gut das "Istgleich-Prinzip" in der Mathematik erfahren. Für Gleichungen und das Umstellen von Gleichungen also ein anschauliches Mittel.

Zu DDR-Zeiten wurde die Waage im Herbst immer von der Oma intensiv genutzt, denn die Oma war eine passionierte Pilzesammlerin. Da konnte es ihr beim  Waldgang so gar passieren, dass sie vor lauter Pilzglück ihre Krücken im Wald vergaß, obwohl sie nach einem Oberschenkelhalsbruch kaum noch einen Schritt ohne Krücke wagte. Die Pilze wurden dann gewogen und verwandelten sich nach einer Fahrtzu einem Obst- und Gemüsehändler in West-Berlin in D-Mark. Damit sie immer den rechten Preis bekam, wurden die Pilze vorher von ihr gewogen.

Ich mag ja Vintage-Sachen, vor allem die Dinge, deren Geschichte mir ein wenig vertraut ist. Aber ich kann keine ungenutzten Staubfänger brauchen. Mir fehlt einfach die Zeit, fröhlich und beschwingt Staub zu wedeln, von Dingen, die ich nicht wirklich gebrauche. - Die Küchenwaage wird hier nun wieder ernsthaft zum Abwiegen beim Backen und Kochen genutzt. Sie funktionert wunderbar. Ein paar kleinere Gewichte sollten wir noch mal nachkaufen.demnächst.



Jetzt freuen wir uns hier aber erst mal an dem schönen Sträußlein, das ich gern auch auf  auf Helgas Blog Holunderblütchen verlinke. Hier versammeln sich am Friday-Flower-Day immer wieder ganz wundervolle Blumenarangements, die mich schon sehr erfreut haben.

Liebe Grüße
Nula







Donnerstag, 22. Juni 2017

Was da so kreucht und fleucht...

...wenn man offenen Auges an einer Wiese vorbeikommt.


Diese kleinen Gesellen ließen sich mit der Kamera einfangen, obwohl der Makromodus meiner Kamera irgendwie nicht mehr richtig zu funktionieren scheint. 
  




Ein nettes Hotel war aber auch nicht weit entfernt:



Mehr Natur gibt es bei Ghislana und dem Naturdonnerstag.



Liebe Grüße
Nula

Freitag, 16. Juni 2017

С днем ​​рождения

Vor 4 Jahren feierten wir mit dem jüngsten Töchterlein noch einen Pferdegeburtstag. Im Jahr darauf entstand dann die Idee, einen Zirkusgeburtstag, zu feiern. Für beide Feste gab es tolle Mottokisten auszuleihen, sodass uns die Ideen für die Feiergestaltung nur so zu purzelten. Bei aller Anstrengung ist so ein Kindergeburtstag auch eine lustige Sache, vor allem, wenn man sich mit den Jahren den Drang zur Perfektion abgewöhnt hat.

Zum 12. Geburtstag wünschte sich das Töchterlein noch ein Harry Potter Fest. Sie hatte selbst viel geplant und gebastelt. Einladungen wurden entworfen und mit einem abgebrannten Rand versehen, eine Fahrkarte für eine Fahrt nach Hogwarts beigelegt und vieles mehr. Ihre, den neuen Freundinnen an der neuen Schule unbekannte Patentante stand versteckt hinter der Tür und verlieh, als alle Mädchen eingetroffen waren, dem sprechenden Hut eine Stimme. Die verwunderten Blicke, dass der Hut sie alle mit Namen ansprach, waren einfach köstlich. Es gab eine abenteuerliche Schatzsuche mit Besenritt vom Klettergerüst und die Mädchen hatten sichtlich Spaß.

Im vergangenen Jahr waren dann nur drei Freundinnen zu Gast. Vorbei die Zeit der ausgeliehenen Mottokisten, der Schatzsuchen, des langen Planens und vorbereitens und vorbei auch die Zeit des Tränen trocknens, weil vor lauter Geburtstagsaufregung ein Kummer entstanden war. Die jungen Damen sahen sich im Kino einen Film an und verschwanden dann mit Picknickkorb im nahen Park.

In diesem Jahr nun wieder einmal Geburtstag in den Ferien. Bisher kam noch kein Wunsch auf, wie denn der Tag mit den Freundinnen zu feiern wäre. Ich bin gespannt.

Ein Herzenswunsch war ein MP3 Player. (Töchterlein hat ja bisher weder Handy noch Smartphone). Und weil sie Russisch als zweite Fremdsprache in der Schule lernt, bekam sie vom Papa das Lied* aus unseren Kindertagen auf den MP3 Player gespielt. 

Alles Gute zum 14. Geburtstag, liebes großes kleines Töchterlein!





*Für alle, die nicht Russisch können: Gerhard Schöne, dessen Lieder ich mag, seit ich so alt wie das jüngste Töchterlein war, hat das Lied auch auf Deutsch gesungen. Eskimo ist übrigens ein Eis, das sehr, sehr lecker ist. Gab es früher am russischen Kioks am See, an dem ich aufgewachsen bin.

Mittwoch, 14. Juni 2017

Ferienfrühstück frisch vom Markt

Wir sind vor 2 1/2  Jahren vom Land in die Stadt gezogen als wir uns beruflich verändert haben, um unseren täglichen Anfahrtsweg zu verkürzen. Wir sind aber auch vom Land in die Stadt gezogen, weil den Kindern mit ihren gewandelten Interessen Bullerbü zu klein, der tägliche Schulweg zu lang und die verbleibende Freizeit durch den Nachmittagsunterricht zu kurz wurden. Wir sind auch vom Land in die Stadt gezogen, weil das gemietete Land-Häuschen im Winter immer unbewohnbarer wurde und die dort anfallende Arbeit mit dem beruflichen und familiären Pensum, das wir zur Zeit haben, nicht mehr vereinbar war. Wir sind auch vom Land in die Stadt gezogen, weil wir wollten, dass die Kinder ihre Wege selbständig erledigen können und wir nicht immer wieder "Taxifahrer" sein müssen... Aber jetzt ist Sommer. Da vergesse ich vor allem den Winter und manch anderes leicht und in der Erinnerung tritt all das Schöne aus der Zeit im kleinen Bauernhäuschen in den Vordergrund.

Vergangen  sind die Zeiten, in der die Kinder herumstromerten und in den Hecken und Büschen saßens und wie Old Shatterhand auf die befreundeten Apachen warteten...


Vergangen ist die Zeit des großen Sommerzimmers - unseres wilden Gartens. Vorbei sind die morgendlichen Hüpfer auf dem großen Trampolin. Vorbei ist das schnelle Bad im nahen Flüsschen. Vorbei ist die Zeit, in der wir Hasen, Ziegen, Schafe und Katzen versorgten. Vorbei ist leider auch die Zeit des Naschgartens, in dem die Kinder sich an Himbeeren, Brombeeren, Erdbeeren, Stachelbeeren und Johannisbeeren labten. Vorbei ist die Ernte am großen Kirschbaum. Vorbei ist die Möglichkeit, von den vielen Apfelbäumen so viel Äpfel zu ernten, dass es den eigenen Apfelsaft in der Kelterei auf Flaschen gezogen gab. Vorbei ist die Zeit der leckeren selbstgekochten Marmeladen. (Die Himbeermarmelade meines Mannes war unerreichbar lecker.) Vorbei ist somit leider auch die Zeit, in der manche frische Köstlichkeit direkt vom Garten auf den Tisch sprang.

Welch Glück aber, dass wir fast mitten in der Stadt eine neue Heimat gefunden haben, ein Häuschen mit kleinem Garten (und inzwischen scheußlichem Zaun) an einer doch recht stark befahrenen Straße, vor allem seit in einer Parallelstraße ein kleines Stückchen verkehrsberuhigt wurde. Auch wenn die Nahverkehrsplanung nicht immer bis zu Ende gedacht scheint und manch gute Verbindung wieder abgeschafft wurde, kommen wir mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad doch zu allen derzeitig für uns wichtigen Lebenspunkten. Unser Stadtteil hat aber weitere Annehmlichkeiten. Sind auch die klassischchen Einkausmöglichkeiten wie vielerorts verschwunden, gibt es dennoch fußläufig gleich drei Bäckereien bzw. Läden von Bäckerketten, eine Apotheke, zwei Schreibwarenläden, eine Eisdiele, einen Postshop und für alle, die es brauchen, vier Fastfoodschnellrestaurants (Entfernung - genau eine Pizza-Esslänge).

Aber das Tollste ist der Wochenmarkt, der immer mitwochs und samstags stattfindet. Es gibt einen Bioland-Bäcker, mehrere Obst- und Gemüsehändler, z.T. in Bio-Qualität, einen Blumenstand, einen Stand mit dem leckersten Käse und französischem Baguette sowie einen Fleisch- und Wurstwagen. An einem Mittwochvormittag dort einzukaufen ist für uns natürlich nur in den Ferien möglich. Aber für ein leckeres Ferienfrühstück ist dann schnell alles beisammen.


Die Brombeeren schmeckten jedenfalls fast wie aus dem eigenen Garten und der Ziegen- und Schafskäse nahm rasant schnell ab.


Liebe Grüße
Nula

Montag, 12. Juni 2017

Pizza oder Stadtleben

Ich mag ja Pizza. Vor allem die selbstgemachte, bunt belegte Pizza, die mein Mann so köstlich zaubern kann und die so gar kein Zutun von mir braucht.

Ich kann auch verstehen, dass man sich keine Pizza selbst bäckt, sondern im nahe gelegenen Fastfoodschnellrestaurant holt, (Haben wir beim Umzug auch gemacht. Ich finde nur, durch die penetrante Standardpizzasoße schmecken alle Pizzen irgendwie gleich). Was ich aber nicht verstehe, wieso wirft man die Verpackung mal eben über den Gartenzaun eines am Weg liegenden Gartens? Gut, der Zaun ist für mich auch der Draht und Stein gewordene Inbegriff der Hässlichkeit. Aber daran kann es ja wohl kaum liegen.

Ich dachte heute morgen erst, na nu, was hat der Wind denn da für ein Plakat in den Garten geweht? Dann verknüpfte mein Hirn aber das beim morgendlichen Hundespaziergang auf dem Gehweg gesehene Pizzastück, das wir - also vor allem Herr Hund - mit Bravor umrundet hatten, mit dem weißen Etwas.


Sonntag, 11. Juni 2017

Hungrige Humoreske am Samstagabend

Unsere Vegetarierin ist verreist und mein Mann auch. So kaufe ich für uns, die war zu Hause gebliebenen waren und auch hin und wieder Fleisch essen, zur Abwechslung auf dem Markt drei Putenmedallions im Speckmantel. um sie zum Abendbrot zuzubereiten. Ich koche auf Mohrboden gewachsene, schwarzschalige Kartoffeln, die ganz kräftig im Geschmack sind, brate eine Champignon-Zwiebelpfanne, mache noch einen bunten Salat und brutzel natürlich die Medallions und rühre aus Creme fraiche und dem noch im Kühlschrank stehenden vegetarischen Tomaten-Gurken-Aufstrich einen Dipp. Also, es gibt eine besondere und umfangreiche Mahlzeit.

Wir essen gemüttlich zu dritt. Mutter, Tochter, Sohn. Es ist 18.20 Uhr als wir die Mahlzeit beginnen.


Der Abend schreitet fort. Um 23.00 Uhr kommt der Sohn entrüstet ins Wohnzimmer, schaut uns beide vorwurfsvoll an und fragt: "Habt ihr ohne mich Abendbrot gegessen?" Wir schauen ihn völlig irritiert an und antworten unisono: "Wir haben alle drei zusammen Abendbrot gegegessen. Du warst dabei." Er schaut verstört zurück und fragt: "Was haben wir gegessen?" Tochter zählt auf: "Putenmedallions, Moorkartoffeln,.." Da ruft der Junge entsetzt aus: "Das war Abendbrot?!"



Die Fotos hatte ich eigentlich gemacht, um über veränderte Essgewohnheiten im Hause Seltenartig zu berichten. Das subjektive Zeitgefühl ist dann aber auch ein spannendes Thema hier.

Der arme, hungrige Sohn fand noch ein Glas mit seinem nussig-schokigen Hauptnahrungsmittel und Brot, sodass er nicht den Hungertod erleiden musste.

Liebe Grüße
Nula

Samstag, 10. Juni 2017

Gewonnen

Da schrieb ich vor einer Weile einen Kommentar zu einem Beitrag von Fanny auf ihrem Blog Fannys Liebste und dann bekam ich eine liebe Mail von Fanny, dass ich gewonnen hätte. Fanny hatte eine tolle Torte zum Geburtstag ihrer Katze gebacken. Die war so niedlich, dass ich meine Begeisterung natürlich zeigen musste.

Und nun bin ich stolze Besitzerin einer wunderschönen Vintage Tortenplatte, die sicher auf den Kuchen- und Tortenfotos für die Achtklassarbeit der jüngsten Tochter noch gut zur Geltung kommen wird. Töchterlein hat vor, ein Koch- und Backbuch mit eigenen Rezepten anzufertigen.



Beim ersten Gebrauch probierte unsere junge Haus- und Hofbäckerin mal wieder ein neues Cupcake-Rezept aus und überraschte uns mit einer lecker bedeckten  Tortenplatte.



Lecker!

Vielen Dank, liebe Fanny!


Liebe Grüße
Nula




Freitag, 9. Juni 2017

Einmal Graubünden und zurück in 24 Stunden

oder:
Warum ich Heidis Heimweh nach den Bergen wirklich verstehen kann...



Es ist schon ein majestätischer Anblick, wenn die Alpen plötzlich sichtbar werden. Wie groß und erhaben doch die Natur ist!


Unsere Fahrt führte uns nach Tschiertschen. Denn wir wollten in der Nähe von Chur übernachten, um dann mit den beiden Jungs schnell den Rückweg antreten zu können.Von Seiten der Bauernfamilie gab es kurz vorher eine "Programmänderung", denn die Jungs konnten nicht mit Sack und Pack bis Chur mitgenommen werden, sodass wir am Samstagmorgen noch ein ganzes Stück weiter fahren mussten. Eigentlich wollte ich deshalb das bereits in Tschiertschen gebuchte Hotel wieder stornieren und ein Zimmer näher am samstäglichen Rückfahrtsstart suchen. Das wäre aber ohne imense Stornogebühren nicht gegangen. So ließ ich es dann (zum Glück) so.







Tschiertschen klang für unsere Ohren fast nach einen Ausflug in Richtung Osteuropa, aber das Dorf liegt in der Talschaft Schanfigg, um genau zu sein: links der Plessur, eines Alpenflusses, der in der Nähe von Arosa entspringt und in den Alpenrhein mündet. 

Südöstlich von Chur beginnt die Straße sich mit Kurven und Spitzkehren das Tal hinaufzuwinden. So ist ein Blick auf Chur, der ältesten Stadt der Schweiz, gut möglich. Einige archäologische Funde belegen eine bereits in der Altsteinzeit begonnene Besiedlung Churs, Chur liegt am Alpenrhein und ist der Hauptort des schweizer Kantons Graubünden.



Es geht an Passugg vorbei, wo Mineralwasser abgefüllt wird, das es auch im Hotel zu trinken gibt. Kurvenreich geht die Straße  immer weiter hinauf, und die Häuser kleben förmlich am Hang. Das Dorf Tschiertschen liegt auf 1350 m Höhe auf einem Hochplateau. Das Holz der Häuser ist von der Sonne schwarz gebrannt. Das Dorf hat sich seinen typischen Charkater bewahrt. Es ist ein Walserdorf, das auf eine lange Geschichte zurückblicken kann.





Noch bevor im Jahr 1885 die erste Straße nach Tschiertschen gebaut wurde, kamen die ersten erholungsbedürftigen Fremden hierher. Anfangs wurden sie noch in zwei einfachen Bauernhäusern beherbergt, bald darauf eröffneten die ersten Pensionen, Gasthäuser und Hotels.

Das im Dezember 2015 wieder eröffnete The Alpina Mountin Resort & Spa stammt aus dieser Zeit. Damals reiste man noch mit der Postkutsche an, heute hält der Postbus an der Stelle. 1897 wurde an schönster Aussichtslage über dem Dorf Tschiertschen das Hotel Alpina erbaut, ursprünglich nur der Südflügel mit einem einzigen Balkonvorbau. Doch das im Belle Époque Stil erbaute Hotel war so erfolgreich, dass es 1913 um einen Nordflügel und einen weiteren Balkonvorbau auf  60 Betten erweitert wurde. Es bot damals schon Zentralheizung und Wasserversorgung in allen Korridoren. Während des Krieges stand das Haus eine Zeit lang leer, bis es 1944/45 als Internierten- und Flüchtlingsheim genutzt wurde. Dann wurde es wieder Hotel. 2013 wurde das Hotel versteigert - an den malaysichen Investor Ah King Teo, dass dieser sein Architekten-Herz an das Hotel und an Tschertchien verloren hat, war ein Glück, denn es ist ein wirklich tolles Hotel entstanden, in dem der alte Jugendstil-Charme weiter lebendig sichtbar ist und viel moderner Komfort vom Hotelzimmer, über die Restaurants und die Bar bis zum Wellnessbereich den Aufenthalt sehr angenehm macht. "Tschiertschen soll zu einem Ort werden, an dem Touristen unbedingt wieder zurückkehren möchten." so sagt Ah King Teo. "und kein Ort des Massentourismus." Das passende Hotelier-Ehepaar dafür hat er in Marlies und Michael Gehring gefunden, die das Hotel jetzt mit besonders herzlichem und bedachtem Engagemant führen.


Bereits beim Einchecken werden wir von Frau Gehring mit Handschlag begrüßt. Im klar und dennoch behaglich eingerichtetem Zimmer mit Blick auf die herrliche Landschaft und fröhlichem Kuhglockengeläut erwartet uns eine handgeschriebene, persönliche Begrüßungskarte, Äpfel und zwei Flaschen Passugger Mineralwasser. Nach der langen Fahrt genießen wir den ebenso klar wie hochwertig eingerichteten Wellnessbereich mit verschiedenen Saunen und dem Wirepool. Vom Ruheraum hat man einen herrlichen Ausblick auf die Landschaft. Vier verschiedene Wasser mit Früchten stehen zur Erfrischung bereit und neun unterschiedliche Teemöglichkeiten gibt es zum Selbstaufgießen im Ruhebereich der Sauna.

Die freundliche Mitarbeiterin an der Rezeption hatte uns für das Abendessen einen Tisch im Panorama-Restaurant reserviert. Als sich die Fahrstuhltür versehentlich auf der Küchenseite öffnet, beweist auch einer der Köche einen herzlichen Humor. Im Restaurant liegt ein Schieferherz mit unsrem Namen auf unserem Tisch und auch hier ist das Personal unaufdringlich freundlich und flink zur Stelle. Das von uns bestellte Schatzkäschtli entpuppt sich als Nähkästchen gefüllt mit Bündner Fleisch, Schinken, Speck, Käse aus der Region und ist so lecker, dass wir spontan beschließen, doch noch im Hotel zu frühstücken. Das war eine kluge Entscheidung, denn so lecker habe ich noch nie in einem Hotel gefrühstückt. Wir schlafen wie die Murmeltiere in unserem Eckzimmer. Die Kuhglocken läuten uns in den Schlaf.


Morgens sind wir die ersten Frühstücksgäste. Flink deckt uns der Kellner einen feinen Platz auf der Terasse. So frühstücken wir mit herrlichem Ausblick und dem Bedauern, dass wir an dem schönen Ort nicht noch länger bleiben können. Zum Frühstück gibt es ein hoteleigenens Morgenblatt mit dem aktuellen Wetter, Tipps und Anregungen, einer Knobelei, Veranstaltungshinweisen u.ä. Die Brötchen in vielen Sorten sind frisch gebacken. Die Auswahl an wirklich frischem Obst und verschiedenen Müslis sehr lecker. Zwei verschiedene Säfte und zwei Smothies können auf dem Buffett ausgewählt werden. Das extra bestellte gekochte Ei für meinen Mann kommt ansprechend drapiert auf den Tisch.


Beim Ausschecken bekommen wir gekühlte Getränke für die Heimreise mit auf den Weg und erfahren in einem Gespräch mit Frau Gehring noch ein bisschen über ihre Hotelphilosophie, die bis in die bereitgestellten Pflegeprodukte spürbar ist.

Zurück in Freiburg kann ich nicht widerstehen. Ich entdecke ein günstiges Angebot in einem Hotelportal und buche ein verlängertes Wochenende.

Tschiertschen, wir kommen wieder!

...und dann benutzen wir auch unsere Wanderschuhe.

Liebe Grüße
Nula





Donnerstag, 8. Juni 2017

Wildwuchs

Nach unserem Spaziergang im Liliental musste ich erst einmal ein wenig über Orchideen lesen. Vorher zu lesen wäre vielleicht klüger gewesen. Denn wäre es mir leichter gefallen, die wilden Orchideen und die anderen wilden Blüher zu erkennen und zu unterscheiden.

Orchideen stellen nach den Korbblütern die zweitgrößte Pflanzenfamilie dar. Sie sind weltweit verbreitet und weisen drei verschiedene Wuchsorte auf. Sie können auf anderen Pflanzen wachsen, auf der Erde oder auf Felsen und Steinen. Mehr als 2500 Jahren sind die Menschen schon von Orchideen fasziniert. Sie wurden als Heil- und Zaubermittel oder Aphrodisiakum benutzt oder als Dekoration verwendet. Im chinesischen Kaiserreich wurden bereits um 500 vor Chr. Kulturhinweise für Orchideen aufgezeichnet. In der chinesischen Gartenkunst ist eine Orchidee das Symbol für Liebe und Schönheit. Das entsprechende Schriftzeichen bedeutet auch Anmut, Reinheit, Eleganz. Auch die Griechen beschäftigten sich mit den Orchideen. Der Name Orchidee ist vom griechischen Wort orchis = Hoden abgeleitet, was auf die hodenförmigen Wurzelknollen zurückzuführen ist. So ist entsprechend der Pflanzensignaturlehre die Verwendung als Aphrodisiakum wohl nicht verwunderlich.

In Deutschland gibt es ca. 60 wild wachsende Orchideenarten. Manche sind schon sehr selten geworden, andere sind direkt vom Aussterben bedroht. Die wilden Orchideen hierzulande sind terrestrisch. Sie wachsen als auf der Erde.

Im
 Litliental am Kaiserstuhl kann man ab Mai auf den Wiesen viele Orchideen entdecken. Die Wiesen dort werden immer erst nach der Blütezeit, wenn die Samen reif sind, gemäht, sodass sich die Orchideen immer weiter verbreiten können. Was für ein Glück!

Leider reicht mein Pflanzenwissen nicht aus, um die Blütenpflanzen, die mir auf unserem Spaziergang durchs Liliental begegneten, mit den entsprechenden Namen zu versehen. Das nächste Bild zeigt aber ein Rotes Waldvögelein, eine inzwischen seltene Orchideenart. Der Name hat mir so gut gefallen, dass ich ihn wohl nicht mehr vergessen werde. Das jüngste Töchterlein hat sich hingegen gut gemerkt, wie man Orchideen an den Blüten erkennen kann: "Orchideen haben sechs Blütenblätter, wobei das sechste Blütenblatt sich oft in Form und Farbe von den übrigen fünf Blütenblättern unterscheidet"


Der Hornklee zeigt auch wunderschöne gelbe Blüten und träumt vielleicht davon, im nächsten Leben als Orchidee wieder auf die Erde zu kommen. Wobei, ein Schmetterlingsblüter zu sein, ist bestimmt auch eine tolle Sache. Da kann man schon ein bisschen eitel sein, wenn man zu solch schönnamiger Pflanzenfamilie gehört. (Bei meiner mündlichen Biologieprüfung - ein Alptraum für mich damals, weil ich die vielen Namen und Lernthemen im Gegensatz zur Physik echt furchtbar fand - hätte mir beinahe eine gemeine Erbse die Note 1 geraubt. Wir hatten früher nie Erbsen im Garten, nur Bohnen. So erkannte ich zwar die Pflanzenfamilie, aber nicht die Gattung und stammelte herum bis ich doch noch nach einigen Hinweisen erriet, wer da in der Vase stand.)


Und Du, wer bist Du? Deine Blüten sehen dem Bild zuvor doch recht ähnlich. Ach, selbst mit dem Pflanzomat (keine schlechte Interneterfindung, wie ich finde) bekomme ich es nicht heraus. Vielleicht habe ich ja auch Tomaten auf den Augen.


Dies sollte nun eigentlich wieder ein Familienmitglied der Orchideen sein. Vielleicht ein Knabenkraut?




Und auch hier versagen meine Möglichkeiten der Pflanzenbestimmung. Schade, ich wüsste gern, wer da so zart und fein auf der Wiese stand. Vielleicht kann mir ja jemand verraten, was das ist.


Dies ist wohl ein Zottliger Klappertopf,  ein Halbschmarotzer, der nur kümmerliche eigene Wurzeln entwickelt, und stattdessen mit seinen Saugwarzen sich von den Wurzeln anderer Pflanzen versorgen lässt.


Und zum Abschluss noch mit der Margerite eine typische Wiesenpflanze, die zur Familie der Korbblüter gehört. Ich freue mich immer über die kleinen weißgelben Farbtupfer auf der Wiese. Sie gehören zu den Pionierpflanzen, 



Ihr merkt schon, ich kann in Pflanzenkunde noch einiges dazu lernen. Vielleicht hätte ich früher in Biologie doch aufmerksamer sein sollen. Aber ich habe einen Entschluss gefasst, frei nach dem Motto, was Nulchen nicht lernte, lernt Nula immer noch, werde ich auf den nächsten Spaziergängen immer wieder einige Blütenpflanzen fotografieren und mich mit ihnen beschäftigen. Ich weiß inzwischen, dass es klug ist, nicht nur die Blüten, sondern auch die Blätter mit zu betrachten. Schon dazugelernt. 


Nun schicke ich zum ersten Mal einen Beitrag zum Naturdonnerstag. Mehr zu lesen und zu sehen davon bei Ghislana.



Liebe Grüße
Nula


Dienstag, 6. Juni 2017

crescher*

*crescher (rätoromanisch) = wachsen (deutsch)


Wachsen kann man wohl an seinen Aufgaben und den Herausforderungen, die das Leben stellt. Das hatte ich bisher als innerliches Wachstum gesehen und verstanden. 20 Tage in der Fremde können einen fast 16jährigen aber auch äußerlich wachsen lassen. Besonders intensive Wachstumskräfte scheint es in Graubünden zu geben. Unser jüngerer Sohn ist in den vergangenen drei Wochen Landbaupraktikum in der Schweiz. wirklich messbar größer geworden. (Aber natürlich auch innerlich.) Ich habe nun erst mal einen Schwung T-Shirts für ihn bestellt, so sehr hat er sich gestreckt.


Für drei Wochen gehen alle 9. Klässler seiner Schule auf Bauernhöfe im Schwarzwald oder in der Schweiz und leben und arbeiten dort mit. Nach welchem Prinzip die Zuteilung erfolgte, blieb mir und ihm ein Rätsel, denn selbst hätte er sich mit Blick auf sein Knieproblem einen Hof in dieser Steillage nicht gesucht. Aber alles ging gut und seine Kniemuskulatur ist nun sicher trainierter.

Früh um 4.45 Uhr von allein aufstehen, wenn doch zu Hause der Papa/Mama-Wecker mit wiederholtem Weckruf das Zuspätkommen verhindert, war schon die erste Herausforderung. Welch Glück, wenn man dann nach dem Versorgen der Tiere noch vor dem Frühstück eine halbe Stunde schlafen konnte. Pubertierende brauchen viel Schlaf. Der wird jetzt hier wieder gründlich nachgeholt. Interessant, dass sich auch die Essgewohnheiten verändern können, wenn man in der Fremde weilt. Ich bin gespannt, ob das anhält. 

Wir haben unseren Sohn und seinen Klassenkameraden ja in Ilanz abgeholt. Das war eine kluge Entscheidung, denn wir haben eine Schweiz kennengelernt, die uns sehr gut gefällt. Heidi Begeisterte können sich an der Landschaft kaum sattsehen. Auf die Idee, dorthin zu reisen, wären wir beim derzeitigen Wechselkurs und den schweizer Preisen von uns aus wohl nicht gekommen. Wir hätten aber wirklich etwas verpasst! Eigentlich kommt man ja mit dem Zug, wenn man rechtzeitg bucht, recht preiswert bis nach Chur. Aber mit Gummistiefeln, Arbeitsschuhen, Sonnenhüten, Arbeitssachen,...hatten die Jungs doch recht viel Gepäck. So waren sie am vergangenen Samstag froh, dass wir sie auf dem Bauernmarkt einsammelten...und zum Glück rollten wir dann entgegen der langen Pfingstautolawine zurück nach Deutschland und brauchten nur knapp 4 Stunden zurück bis Freiburg.
Nun ist er also wieder da und muss sich erst mal aklimatisieren. Oder wie sagte er, den Jetlag überwinden... Vorbei ist die Zeit der kargen rätoromanischen Gespräche am Essenstisch, des arbeitssamen Rhythmus und des Muskelkaters. Ich bin gespannt, was er für sich selbst als inneres Wachstum mitnehmen und wie er mit einiger Zeit Abstand auf die Zeit schauen wird!

Wir, mein Mann und ich, bringen die Sehnsucht mit, ein paar Tage wandernd in Graubünden zu verbingen. Ein wundervolles Hotel um es sich dort so richtig gut gehen zu lassen, haben wir diesmal schon per Zufalll entdeckt. Davon mehr in einem anderen Post.

Heute Abend schauen wir erst einmal die Heidi-Neuverfilmung mit Bruno Ganz an.


Liebe Grüße
Nula


Montag, 5. Juni 2017

Mit Bäumen.

kann man wie mit Brüdern reden. 
(Erich Kästner, "Die Wälder schweigen")



Ein besonders schöner Ort, um mit Bäumen zu reden oder einfach um zu schweigen und dem Vogelgezwitscher zu lauschen, liegt im Kaiserstuhl:

Der kleine Gebirgszug Kaiserstuhl hat seinen Namen vermutlich  Otto III. zu verdanken, der 994 einen Gerichtstag bei Sasbach abhielt. Da Otto damals noch König war, erhielt das Gebirge zuerst den Namen Königsstuhl und wurde zwei Jahre später, als Otto zum Kaiser gekrönt wurde, in Kaiserstuhl umbenannt. (So weiß es jedenfalls die Sage.) Der Kaiserstuhl ist vulkanischen Ursprungs. Doch er ist mit einer Lößschicht bedeckt, Man geht davon aus, dass die Lößschicht, die teilweise bis zu 40 m beträgt, aus den nördlichen Kalkalpen stammt und in der letzten Eiszeit sich hier als Sediment ablagerte. Hier kann man die Lößsschicht gut erkennen.


Heute wird das Gebiet des Kaiserstuhls landwirtschaftlich intensiv genutzt. Vor allem der Wein ist weit über die Region hinaus bekannt. Im Lößboden kann man gut die Terassen für den Weinbau anlegen.

Unser Pfingstsonntagsausflug führte uns aber nicht an den Reben entlang. Unser Ziel war das Liliental in der Nähe von Ihringen im Kaiserstuhl. Das forstliche Versuchsgelände Liliental wird seit 1958 betrieben. Hier findet sich ein beeindruckendes Arboretum mit einheimischen und vielen fremdländischen Bäumen und Gehölzen. 



Weit bekannt ist der Mammutbaumwald. Ganz von oben scheinen die Mamutbäume auf den Betrachter herabzuschauen. 


Und auch er wird einmal ein großes stattliche Baum werden. Stolz steht es frei auf der Wiese.



Ja, manche Bäume scheinen ein Auge für die Spaziergänger zu haben, die trotz ihrer großen Zahl beim sonnigen Pfingstsonntagswetter hierhergefunden haben, durch die Weitläufigkeit des Geländes kaum zu bemerken sind,


Die Mongolische Birke jedenfalls scheint mich offenen Auges anzublicken.
Sonnenlicht und Schattenwurf der Bäume zaubern immer wieder besondere Stimmungen,




 Und auf mancher Wiese gab es Orchideen zu entdecken. Doch davon ein anderes Mal mehr.


Ich liebe Birken. Diese lichten Bäume sind schon seit meiner Kindheit meine Freunde. Damals stand eine Birke ganz in der Nähe meines Zuhauses. Wie oft habe ich mein schweres Kinderherz bei ihr ausgeschüttet und alles wurde wieder leicht, wenn die Zweige sich im Winde wiegten. Hier nun gab es Birken, wohin auch das Auge blickte.



Mich beeindruckten vor allem die finnischen Maserbirken, die in der Wachstumsphase viel mehr Licht gewöhnt sind als sie in Deutschland bekommen können. Deshalb wachsen sie anders als in ihrer ursprünglichen Heimat, viel gedrungener.

Auch eine Schwarznuss ist ein beeindruckender Baum.



Die Orchideen sind natürlich auch ein besonderer Anblick. Aber das ist eine neue Geschichte für einen anderen Tag. Wer Lust auf einen Spaziergang im Liliental bekommen hat, findet hier eine kleine Karte ( Flyer von der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt).


Liebe Grüße
Nula






Samstag, 3. Juni 2017

Herzliche Pfingstgrüße euch allen. Ich muss erst einmal wieder richtig zu Hause ankommen, habe aber schon mal aus Graubünden, wo wir heute unseren jüngsten Sohn von seinem Landwirtschaftspraktikum abgeholt haben, ein Bild voller Pfingststimmung mitgebracht. Die Natur kam uns so sehr entgegen, dass es mir wie in dem Gedicht von Wilhelm Müller ging als ich die flimmernde Sonne über Berge und Täler sah.

Pfingsten
O heilige Frühlingswonne,
Du sinkest nieder,
Strahlend und flimmernd
In himmlischen Schauern,
Auf alle Berge,
In alle Täler,
In jede Menschenbrust!
Ja, du bist es,
Geist Gottes,
Du gießest dich aus
Über die Welt!



Soll ich auf die sonnige Höhe steigen
Und beten?
Soll ich in dem dunkeln Tale liegen
Und sinnen?
O tritt sanft, mein Fuß,
Dass du den Wurm nicht tretest,
Der unter dir
Sich freuet des sonnigen Lebens!
Und du, hoch schlagende Brust,
Halt' an den Atem,
Dass du die Mücke
Nicht in dich ziehest,
Die sich wieget im Strahle
Vor deinem Munde!

Wilhelm Müller (1794-1827)


Liebe Grüße
Nula