Dienstag, 11. April 2017

Weh und werde


Fernweh - damit beschäftigte sich unsere älteste Tochter in ihrer Zwölftklassarbeit.

Wer Fernweh hat, muss sich auf den Weg machen. So brach sie dann wirklich an ihrem 18. Geburtstag auf - in ein fremdes Land, auf einen anderen Kontinent...
... und brachte so viele Eindrücke mit, dass wir daheim gebliebenen von ihren Schilderungen ganz berührt waren.

Was ist wirklich existentiell wichtig im Leben? Was ist Zeit? Wie entsteht Zufriedenheit? Wie kommen der innere Impuls und das äußere Leben zusammen?

Wohin wird sie wohl einmal ziehen,  unsere große Tochter, wenn sie gänzlich flügge ist? Unser Städtchen ist ihr lang schon zu klein. Wir dürfen gespannt sein, können zuhören, uns zurücknehmen, müssen unsere Ängste loslassen, lernen und vertrauen - eine flügge werdende Tochter mit dem Fernweh-Gen lässt uns üben, wachsen und immer wieder staunen und den eigenen Lebensentwurf überprüfen.

***

Berührend auch, dass es noch andere mit dem Fernweh-Gen gibt. Welch Hoffnung, wenn sich die Kulturen in der Begegnung verbinden. ...von Mensch zu Mensch. Seit wir von ihrem Projekt hörten, mit wenig Geld sich einmal um die Welt zu bewegen - immer weiter ostwärts bis man aus dem Westen wieder nach Hause kommt, ohne ein Flugzeug zu benutzen - verfolgten wir die Nachrichten und kleinen Filme von Gwen und Patrick, die ihrem inneren Ruf folgten. Eine Reise, die sich so niemals planen ließ, so, wie auch das Leben sich letzendlich niemals planen lässt.

Inzwischen sind sie angekommen und haben ihre Eindrücke in einen Kinofilm zusammenfließen lassen. Ich kann keine Worte dafür finden, wie sehr mich der Film berührt hat...und das anschließende Gespräch mit den beiden im großen Kinosaal, in dem man das berührt sein all der anderen Zuschauer fast mit den Händen greifen konnte.

Welches Wehs plagen mich? Wem will ich begegnen? Worauf kann ich verzichten, um glücklich zu sein und bei mir anzukommen? Was kann ich lassen, was muss ich wirklich tun, damit ich meinen eigenen inneren Ruf nicht verfehle. Der Lebenspur folgen kann...

Es lohnt sich, den Film anzuschauen, wenn er nun bald durch Deutschland reist. Hier wird er zu sehen sein.



WEIT. Trailer from weit on Vimeo.
50.000 Kilometer per Anhalter, über die Ozeane mit dem Schiff und Nachwuchs in Mexiko. "WEIT. Die Geschichte von einem Weg um die Welt" ist ein bunter und besonders authentischer Film über die außergewöhnliche Reise eines jungen Paares, das in den Osten loszog, um dreieinhalb Jahre später zu dritt aus dem Westen wieder nach Hause zu kehren. Ohne zu fliegen und mit einem kleinen Budget in der Tasche erkunden sie die Welt, stets von Neugierde und Spontanität begleitet.



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Ich bin nicht unterwegs und doch nicht angekommen. Das fühlt sich gerade richtig an.




Kommentare:

  1. Liebe Nula,

    schön, auch von dir wieder zu lesen. Wobei sich auch bei mir auf dem Blog erst in der letzten Zeit wieder etwas mehr tut. Aber manchmal kommt einen das Leben dazwischen...

    Dein "hummeln die Hummeln" gefällt mir sehr.

    Allerbeste Grüße

    Anke

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  2. Liebe Nula,
    schwere Kost. Ich litt auch unter Fernweh - später als ich viele schöne Reisen mit meinem Mann machen durfte, ließ es etwas nach. Und irgendwann wußte ich dann, dass ich angekommen war. Ich fühlte mich wohl - erfreute mich an den Erinnerungen. Heute, ich bin mittlerweile 80 Jahre, weiß ich, dass dies mein Ort ist, an dem ich bleiben werde.
    Einen schönen Resttag wünscht dir
    Irmi

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  3. Wie schön, dass man wieder etwas von Dir auf dem Blog lesen kann.
    Ja ja, das Fernweh... Unsere mittlere Tochter war in dem Alter Deiner Tochter auch so fernwehkrank. Mittlerweile lebt sich mit Mann und Kindern in den Staaten und hat uns letzte Woche endlich mal wieder besucht. Loszulassen tut ganz schön weh...
    Liebe Grüße
    Andrea

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  4. Huch, da war er weg, der Kommentar... Ich versteht Dich, mir gehts mit der Tochter ähnlich, sie ist mit Ihrer Lust, die Welt zu bereisen, leider in der falschen Familie gelandet - mir liegt so gar nichts daran :-)
    Liebe Grüße und Danke für den Filmtip

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  5. Ab und zu passiert es mir, dass ich zum ersten Mal von einer Sache höre oder lese - und dann begegnet sie mir gleich zwei, drei Mal nacheinander. Vorgestern hatte ich ausnahmsweise unterwegs das Autoradio an (was ich selten mache) und geriet mitten in ein Interview mit diesen weitgereisten jungen Leuten, bekam aber weder ihre Namen noch etwas von dem Film mit. Heute lese ich deinen Kommentar bei mir, werfe einen Blick in dein Blog und finde alles Weitere zum Thema hier...
    Einfach schön!
    Lächelnde Grüße,
    Brigitte

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  6. Liebe Nula,
    ein Post zum Nachdenken.
    Früher hatte ich viel Fernweh und war ständig unterwegs
    und auf Reisen. Aber nun bin ich lieber zu Hause :-)
    Ich wünsche dir ein wunderschönes Osterwochenende!
    Ganz liebe Frühlingsgrüße sendet dir Urte

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  7. Liebe Nula, ich glaube, ich habe auch so ein Gen. Seit ich Familie habe, hat es sich brav untergeordnet, dann habe ich Reisen) dann macht es mich sehr glücklich, neugierig und hoffnungsvoll. Ein feines Gen, das trägt. Liebe Grüße, Sabine

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  8. Kurz und bündig, vielen Dank für die Inspiration.

    egbert

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