Dienstag, 6. Juni 2017

crescher*

*crescher (rätoromanisch) = wachsen (deutsch)


Wachsen kann man wohl an seinen Aufgaben und den Herausforderungen, die das Leben stellt. Das hatte ich bisher als innerliches Wachstum gesehen und verstanden. 20 Tage in der Fremde können einen fast 16jährigen aber auch äußerlich wachsen lassen. Besonders intensive Wachstumskräfte scheint es in Graubünden zu geben. Unser jüngerer Sohn ist in den vergangenen drei Wochen Landbaupraktikum in der Schweiz. wirklich messbar größer geworden. (Aber natürlich auch innerlich.) Ich habe nun erst mal einen Schwung T-Shirts für ihn bestellt, so sehr hat er sich gestreckt.


Für drei Wochen gehen alle 9. Klässler seiner Schule auf Bauernhöfe im Schwarzwald oder in der Schweiz und leben und arbeiten dort mit. Nach welchem Prinzip die Zuteilung erfolgte, blieb mir und ihm ein Rätsel, denn selbst hätte er sich mit Blick auf sein Knieproblem einen Hof in dieser Steillage nicht gesucht. Aber alles ging gut und seine Kniemuskulatur ist nun sicher trainierter.

Früh um 4.45 Uhr von allein aufstehen, wenn doch zu Hause der Papa/Mama-Wecker mit wiederholtem Weckruf das Zuspätkommen verhindert, war schon die erste Herausforderung. Welch Glück, wenn man dann nach dem Versorgen der Tiere noch vor dem Frühstück eine halbe Stunde schlafen konnte. Pubertierende brauchen viel Schlaf. Der wird jetzt hier wieder gründlich nachgeholt. Interessant, dass sich auch die Essgewohnheiten verändern können, wenn man in der Fremde weilt. Ich bin gespannt, ob das anhält. 

Wir haben unseren Sohn und seinen Klassenkameraden ja in Ilanz abgeholt. Das war eine kluge Entscheidung, denn wir haben eine Schweiz kennengelernt, die uns sehr gut gefällt. Heidi Begeisterte können sich an der Landschaft kaum sattsehen. Auf die Idee, dorthin zu reisen, wären wir beim derzeitigen Wechselkurs und den schweizer Preisen von uns aus wohl nicht gekommen. Wir hätten aber wirklich etwas verpasst! Eigentlich kommt man ja mit dem Zug, wenn man rechtzeitg bucht, recht preiswert bis nach Chur. Aber mit Gummistiefeln, Arbeitsschuhen, Sonnenhüten, Arbeitssachen,...hatten die Jungs doch recht viel Gepäck. So waren sie am vergangenen Samstag froh, dass wir sie auf dem Bauernmarkt einsammelten...und zum Glück rollten wir dann entgegen der langen Pfingstautolawine zurück nach Deutschland und brauchten nur knapp 4 Stunden zurück bis Freiburg.
Nun ist er also wieder da und muss sich erst mal aklimatisieren. Oder wie sagte er, den Jetlag überwinden... Vorbei ist die Zeit der kargen rätoromanischen Gespräche am Essenstisch, des arbeitssamen Rhythmus und des Muskelkaters. Ich bin gespannt, was er für sich selbst als inneres Wachstum mitnehmen und wie er mit einiger Zeit Abstand auf die Zeit schauen wird!

Wir, mein Mann und ich, bringen die Sehnsucht mit, ein paar Tage wandernd in Graubünden zu verbingen. Ein wundervolles Hotel um es sich dort so richtig gut gehen zu lassen, haben wir diesmal schon per Zufalll entdeckt. Davon mehr in einem anderen Post.

Heute Abend schauen wir erst einmal die Heidi-Neuverfilmung mit Bruno Ganz an.


Liebe Grüße
Nula


Kommentare:

  1. ...sicher gibt es viele schöne Ecken in der Schweiz, liebe Nula,
    einige habe ich schon gesehen, gerade bei den Pilgerwanderungen gute Erfahrungen gemacht und sehr freundliche Menschen getroffen...Graubünden kenne ich aber nicht...allerdings die Preise finde ich zunehmend für uns auch abschreckend...schade eigentlich...klingt gut, was du über das Praktikum und das damit verbundene Wachstum schreibst...ganz sicher nimmt der Junior wertvolle Erfahrungen mit,

    liebe Grüße Birgitt

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  2. Ich lege euch noch viel mehr das "Schellenursli" ans Herz! Herzzerrreißend! ( Dabei verstehe ich noch nicht einmal richtig Schwytzertütsch )
    Graubünden ist auf meiner Schweizkarte übrigens auch noch ein relativ weißer Fleck. -
    Das ist ja ein ganz besonderes Schulpraktikum. Respekt!
    LG
    Astrid

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  3. Wie schön, dass alles so gut und ohne grössere Blessuren abgelaufen ist. Eine solche Woche kann sehr, sehr hart sein. Aber wie du auch sagst: Sie kann auch stärken und wachsen lassen und Einblicke gewähren in ganz andere "Welten".
    Ja, die Schweiz kann sehr schön sein (sage ich als Schweizerin), wenn sie bloss nicht so unerschwinglich wäre für alle Nachbarn ringsum - und eigentlich sogar für uns selber, weshalb nicht wenige Schweizer ins nahe Ausland fahren für Einkäufe, Kurzaufenthalte oder Ferien...

    Herzliche Grüsse aus dem Mittelland,
    Brigitte

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  4. Oh die Schweiz ist sicher wunderschön ... ich war zwar noch nie dort, habe aber eine Kollegin, die dort geboren wurde und immer wieder vorschwärmt ♥

    Deinem Sohn wünsche ich für sein Praktikum alles Gute!

    Liebe Grüße
    nima

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  5. Liebe Nula,
    ich finde es sehr gut, dass die Jugendlichen für drei Wochen auf Bauernhöfe gehen, da lernen sie die Natur viel intensiver kennen, müssen alleine aufstehen und lernen auch körperliche Arbeit kennen.
    Bei uns hier müssen die Kinder ein soziales Praktikum machen, wohnen aber zu Hause. Das finde ich auch nicht schlecht, aber was Du beschrieben hast gefällt mir definitiv besser.
    Ich wünsche Dir einen schönen Mittwoch.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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  6. Ich lese mit Freude von deinem Stolz zum "Entwicklungssprung" eures Sohns. Eltern sind immer Stolz auf ihre Kinder und wollen es auch sein. Noch heute empfinden wir das Gefühl, wenn unsere Kinder (schon etwas reifer denn 16 jahre) in der persönlichen, familiären oder beruflichen Entwicklung "einen Sprung vollziehen".
    Fern von daheim und in einer solchen Bilderbuchgegend fallen die häuslichen Aufgaben und Pflichten weg, lassen den Blick sich frei entfalten. Wir sind in solchen Zeiten viel aufnahmefähiger.

    Danke für diese Einblicke.

    egbert

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  7. Das ist ja mal ein spannendes und außergewöhnliches Projekt. Hut ab! Und 3 Wochen können sehr lang sein...
    Ganz sicher wird diese Zeit eurem Kind wertvolle Erfahrungen mitgegeben haben, aber auch schön, dass er sich jetzt zu Hause ausruhen kann.
    Ich bin ja eigentlich überhaupt nicht so der bergige Typ, sondern fühle mich auf dem platten Land sehr Wohl, aber ich war schon oft in der Schweiz und mir hat es dort immer und überall gefallen.
    Liebe Grüße

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  8. wow
    das finde ich ja genial
    da hat euer Sohn sicher eine Menge gelernt
    vor allem dsas man auch ohne Handy.. Fernsehen .. und dergleichen leben kann ;)
    eine arbeitssame und genügsame Zeit liegt hinter ihm
    doch die Erfahrungen die er sammeln konnte sich sicher vielfältig
    vor allem dass man eigentlich mehr kann als man sich selber zutraut

    ja.. leider ist die Schweiz unerschwinglich
    ich würde gerne mal wieder nach Arosa (oder Umgebung) fahren
    dort war ich als Kind zur Kur
    das war landschaftlich sehr schön
    dankeschön für deinen Besuch bei mir

    liebe Grüße
    Rosi

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  9. Hallo Nula,
    was für eine wundervolle Landschaft und an Aufgaben kann man / frau ja durchaus wachsen. Prima, dass es Eurem Sohn gelungen ist.
    Viele Grüße, Synnöve

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  10. Liebe Nula, gerade habe ich bei dir ein wenig zurückgeblättert, ich war schon so lange nicht mehr richtig lesen bei dir... Das soll sich wieder ändern, denn du schreibst so aus dem Herzen, das mag ich so gern... Ein tolles Praktikum und eine echte Prüfung für Jungs in diesem Alter, toll, dass der Sohn es gut gemeistert hat. Ganz herzliche Grüße Ghislana

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  11. Diese Art Praktika haben unseren Töchtern auch immer sehr gut getan. Für die erste kleine Klassenfahrt mit Zelt nahm sich der Klassenlehrer der Großen gleich die Via Mala vor... Durch Graubünden fahren wir zweimal im Jahr, eine tolle Landschaft! Die neue Heidi-Verfilmung ist wirklich schön. Mit Schellenursli (den Astrid oben erwähnte) sind unsere Kinder aufgewachsen.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  12. Sehr interessant deine Schilderung des PRaktikums. Ich finde das sensationell und sicher ist es für die Jungen eine sehr wichtige, prägende ERfahrung. Ich schließ mich den VOrrednern an ... die Schweiz ist ein wunderwunderbares Land. Früher haben wir dort gerne Wnaderurlaube gemahct.. leider zu teuer derzeit. Ichg hoffe, dass sich das irgendwann mal wieder ändert!
    viele liebe Grüße von Ellen

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