Freitag, 9. Juni 2017

Einmal Graubünden und zurück in 24 Stunden

oder:
Warum ich Heidis Heimweh nach den Bergen wirklich verstehen kann...



Es ist schon ein majestätischer Anblick, wenn die Alpen plötzlich sichtbar werden. Wie groß und erhaben doch die Natur ist!


Unsere Fahrt führte uns nach Tschiertschen. Denn wir wollten in der Nähe von Chur übernachten, um dann mit den beiden Jungs schnell den Rückweg antreten zu können.Von Seiten der Bauernfamilie gab es kurz vorher eine "Programmänderung", denn die Jungs konnten nicht mit Sack und Pack bis Chur mitgenommen werden, sodass wir am Samstagmorgen noch ein ganzes Stück weiter fahren mussten. Eigentlich wollte ich deshalb das bereits in Tschiertschen gebuchte Hotel wieder stornieren und ein Zimmer näher am samstäglichen Rückfahrtsstart suchen. Das wäre aber ohne imense Stornogebühren nicht gegangen. So ließ ich es dann (zum Glück) so.







Tschiertschen klang für unsere Ohren fast nach einen Ausflug in Richtung Osteuropa, aber das Dorf liegt in der Talschaft Schanfigg, um genau zu sein: links der Plessur, eines Alpenflusses, der in der Nähe von Arosa entspringt und in den Alpenrhein mündet. 

Südöstlich von Chur beginnt die Straße sich mit Kurven und Spitzkehren das Tal hinaufzuwinden. So ist ein Blick auf Chur, der ältesten Stadt der Schweiz, gut möglich. Einige archäologische Funde belegen eine bereits in der Altsteinzeit begonnene Besiedlung Churs, Chur liegt am Alpenrhein und ist der Hauptort des schweizer Kantons Graubünden.



Es geht an Passugg vorbei, wo Mineralwasser abgefüllt wird, das es auch im Hotel zu trinken gibt. Kurvenreich geht die Straße  immer weiter hinauf, und die Häuser kleben förmlich am Hang. Das Dorf Tschiertschen liegt auf 1350 m Höhe auf einem Hochplateau. Das Holz der Häuser ist von der Sonne schwarz gebrannt. Das Dorf hat sich seinen typischen Charkater bewahrt. Es ist ein Walserdorf, das auf eine lange Geschichte zurückblicken kann.





Noch bevor im Jahr 1885 die erste Straße nach Tschiertschen gebaut wurde, kamen die ersten erholungsbedürftigen Fremden hierher. Anfangs wurden sie noch in zwei einfachen Bauernhäusern beherbergt, bald darauf eröffneten die ersten Pensionen, Gasthäuser und Hotels.

Das im Dezember 2015 wieder eröffnete The Alpina Mountin Resort & Spa stammt aus dieser Zeit. Damals reiste man noch mit der Postkutsche an, heute hält der Postbus an der Stelle. 1897 wurde an schönster Aussichtslage über dem Dorf Tschiertschen das Hotel Alpina erbaut, ursprünglich nur der Südflügel mit einem einzigen Balkonvorbau. Doch das im Belle Époque Stil erbaute Hotel war so erfolgreich, dass es 1913 um einen Nordflügel und einen weiteren Balkonvorbau auf  60 Betten erweitert wurde. Es bot damals schon Zentralheizung und Wasserversorgung in allen Korridoren. Während des Krieges stand das Haus eine Zeit lang leer, bis es 1944/45 als Internierten- und Flüchtlingsheim genutzt wurde. Dann wurde es wieder Hotel. 2013 wurde das Hotel versteigert - an den malaysichen Investor Ah King Teo, dass dieser sein Architekten-Herz an das Hotel und an Tschertchien verloren hat, war ein Glück, denn es ist ein wirklich tolles Hotel entstanden, in dem der alte Jugendstil-Charme weiter lebendig sichtbar ist und viel moderner Komfort vom Hotelzimmer, über die Restaurants und die Bar bis zum Wellnessbereich den Aufenthalt sehr angenehm macht. "Tschiertschen soll zu einem Ort werden, an dem Touristen unbedingt wieder zurückkehren möchten." so sagt Ah King Teo. "und kein Ort des Massentourismus." Das passende Hotelier-Ehepaar dafür hat er in Marlies und Michael Gehring gefunden, die das Hotel jetzt mit besonders herzlichem und bedachtem Engagemant führen.


Bereits beim Einchecken werden wir von Frau Gehring mit Handschlag begrüßt. Im klar und dennoch behaglich eingerichtetem Zimmer mit Blick auf die herrliche Landschaft und fröhlichem Kuhglockengeläut erwartet uns eine handgeschriebene, persönliche Begrüßungskarte, Äpfel und zwei Flaschen Passugger Mineralwasser. Nach der langen Fahrt genießen wir den ebenso klar wie hochwertig eingerichteten Wellnessbereich mit verschiedenen Saunen und dem Wirepool. Vom Ruheraum hat man einen herrlichen Ausblick auf die Landschaft. Vier verschiedene Wasser mit Früchten stehen zur Erfrischung bereit und neun unterschiedliche Teemöglichkeiten gibt es zum Selbstaufgießen im Ruhebereich der Sauna.

Die freundliche Mitarbeiterin an der Rezeption hatte uns für das Abendessen einen Tisch im Panorama-Restaurant reserviert. Als sich die Fahrstuhltür versehentlich auf der Küchenseite öffnet, beweist auch einer der Köche einen herzlichen Humor. Im Restaurant liegt ein Schieferherz mit unsrem Namen auf unserem Tisch und auch hier ist das Personal unaufdringlich freundlich und flink zur Stelle. Das von uns bestellte Schatzkäschtli entpuppt sich als Nähkästchen gefüllt mit Bündner Fleisch, Schinken, Speck, Käse aus der Region und ist so lecker, dass wir spontan beschließen, doch noch im Hotel zu frühstücken. Das war eine kluge Entscheidung, denn so lecker habe ich noch nie in einem Hotel gefrühstückt. Wir schlafen wie die Murmeltiere in unserem Eckzimmer. Die Kuhglocken läuten uns in den Schlaf.


Morgens sind wir die ersten Frühstücksgäste. Flink deckt uns der Kellner einen feinen Platz auf der Terasse. So frühstücken wir mit herrlichem Ausblick und dem Bedauern, dass wir an dem schönen Ort nicht noch länger bleiben können. Zum Frühstück gibt es ein hoteleigenens Morgenblatt mit dem aktuellen Wetter, Tipps und Anregungen, einer Knobelei, Veranstaltungshinweisen u.ä. Die Brötchen in vielen Sorten sind frisch gebacken. Die Auswahl an wirklich frischem Obst und verschiedenen Müslis sehr lecker. Zwei verschiedene Säfte und zwei Smothies können auf dem Buffett ausgewählt werden. Das extra bestellte gekochte Ei für meinen Mann kommt ansprechend drapiert auf den Tisch.


Beim Ausschecken bekommen wir gekühlte Getränke für die Heimreise mit auf den Weg und erfahren in einem Gespräch mit Frau Gehring noch ein bisschen über ihre Hotelphilosophie, die bis in die bereitgestellten Pflegeprodukte spürbar ist.

Zurück in Freiburg kann ich nicht widerstehen. Ich entdecke ein günstiges Angebot in einem Hotelportal und buche ein verlängertes Wochenende.

Tschiertschen, wir kommen wieder!

...und dann benutzen wir auch unsere Wanderschuhe.

Liebe Grüße
Nula





Kommentare:

  1. Liebe Nula, auch deine Reiseempfehlung speichere ich in unseren Urlaubsordner ab. Solche Eindrücke sind wichtig, wenn man sich auf die "Socken" macht, um neue Regionen zu erkunden. Ja, wer für 2017 noch keine Urlaubsideen besitzt, kommt bei dir auf seine Kosten, auf neue Ideen und es muss ja keine Reise mit der Postkutsche sein.

    hab Dank für diese schöne Vorstellung,
    egbert

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  2. So wunderschöne Bilder! Da hattet ihr es aber richtig fein! In Chur und im Heidiland waren wir auch schon, aber noch nicht in der Lenzerheide. Von hieraus eigentlich noch als Tagesausflug machbar. Und morgen sehe ich Chur und die Berge zumindest auf der Durchreise nach Italien via San-Bernardino wieder. Die Fahrt über die Alpen ist jedes Mal ein Erlebnis.
    Ganz liebe Grüße zu dir,
    Gina

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  3. Ich mag die Berge sehr und wenn ich mit dem Zug nach Mittenwald fahre, dann erhebt sich das Karwendel und der Wetterstein und ich bin jedesmal so begeistert.

    Allerdings bleibe ich in Bayern, da habe ich auch die Berge und die Seen.

    Lieben Gruß Eva

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  4. Das hat dr Zufall oder Schicksal wohl prächtig hin bekommen. Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt ;O))).... Schon allein die köstliche Verpflegung, die tolle Gegend..., da passte doch alles. Danke fürs mitnehmen.
    Lieben Inselgruß
    Kerstin

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  5. Das, liebe Nula, liest sich sooo schön. Ich fühle mich fast so, als hätte ich das selber erlebt. Ja, so wünscht man sich einen Aufenthalt in einem Hotel. Die Fotos aus der Gegend sind wunderschön und sehr beeindruckend.
    Danke für Deinen Besuch und Kommentar bei mir.
    Liebe Grüße
    Edith

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  6. So ein schöner Ausflug, trotz wenig Zeit, viele Eindrücke gesammelt. Und: Das Frühstücksei hätte ich auch genommen. :-D
    Liebe Grüße ins beginnende Wochenende sendet dir Petra

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  7. Oh, wie schön. Dann könnt Ihr beiden nochmal ganz in Ruhe dieses hübsche Fleckchen Erde genießen. Wie wunderbar! Und Du hast vollkommen recht, es schaut tatsächlich einbissel aus wie bei Heidi und Peter auf der Alm. Liebe Grüße und ein feines Wochenende, Nicole

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  8. Das freut mich, dass ihr so ein Glück mit eurer Unterkunft hattet, klingt alles ganz wunderbar. Eine ungeahnte schöne Überraschung, solche Stunden können auch wie ein kleiner Urlaub sein.
    Liebe Grüße

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  9. Liebe Nula,
    eine traumhaft schöne Landschaft - und die Homepage des Hotels habe ich mir direkt angeschaut. Das könnte uns auch gefallen.
    Danke Dir fürs Zeigen -
    schöne Tage für Dich, liebe Grüße
    Renee

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  10. Liebe Nula,
    vielen Dank für deinen Besuch drüben bei mir :-) ! Was für ein schöner Reisebericht mit beeindruckenden Bildern. Berge üben für mich als Küstenkind eine große Faszination aus. Du hast das so schön erzählt, dass ich fast das Gefühl habe, dabei gewesen zu sein.

    Liebe Grüße
    Birgit

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  11. Das ist ja wunderbar, wie sich Tschiertschen euch präsentiert hat. Da könnte man glatt neidisch werden.
    Und auch das Wetter war euch hold, was ja nicht vom Hotel garantiert werden kann. ;-)
    Es freut mich sehr, dass ihr Gefallen findet an der schönen Gegend in Graubünden - die ich allerdings nur sehr punktuell kenne.

    Frohen Gruss ins Wochenende,
    Brigitte

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  12. Hallo liebe Nula,

    ohja, ich liebe diesen Blick auf die Berge auch immer sehr. Einmal im Jahr muss ich sie sehen und ein paar Tage dort verweilen. Ich werde mir mal Deinen Hoteltipp genauer anschauen, vielleicht führt uns der Weg ja auch mal dorthin. Lieben Dank für die schöne Vorstellung und

    herzliche Wochenendgrüße
    Kerstin

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  13. oh oh! da möchte ich sofort den rucksack packen und los! danke für den schönen bericht und den tipp. habs im "da will ich auch mal hin"- kästchen gespeichert:-)))!
    viele grüße
    Sylvia

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  14. Das hört sich phantastisch an- auch ich/wir lieben die Berge und ich bekomme immer Fernweh und Bergsteigerherzklopfen wenn ich die Berge sehe :)) Das Urlaubsziel werde ich mir merken ::))
    Geruß zu dir
    heiDE

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  15. Liebe Nula,
    wie habe ich mich jetzt über deinen wundervollen Bericht über das Bündnerland gefreut! Stell dir vor ich bin in Chur geboren und aufgewachsen und lebte bis vor 8 Jahren in Graubünden in Fanas!
    Hach....beim Lesen und betrachten deiner tollen Bilder habe ich direkt Heimweh nach den geliebten Bergen bekommen!
    Herzensgrüassli
    Yvonne

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